Wolfsferwartungsland Hessen

(C) Hessischer Rundfunk

Transkription eines Hörfunkbeitrags, der am 17.1.2013 im Hessischen Rundfunk auf der Welle hr 4 gesendet worden ist.



Anmoderation Hermann Hillebrandt:
hr 4 „Bunt gemischt“ am Donnerstagnachmittag. Vielleicht erinnern Sie sich, im letzten Frühjaht hatte im Westerwald ein Jäger einen Wolf erschossen und dafür sollte er 2.500 Euro Strafe zahlen. Über seinen Widerspruch dagegen verhandelt heute das Amtsgericht Montabaur und dahinter steht aber doch die ganz große Frage: Wie wollen wir mit dem Wolf umgehen? Hessen gilt ja als „Wolf-Erwartungsland“. Werden wir künftig auf Wanderungen wirklich auf Wölfe treffen? Christiane Wagner berichtet.

Beitrag Christiane Wagner:

Ch. Wagner: Einem Wolf zu begegnen, ist eher unwahrscheinlich. Auch wenn es genau das ist, wovon Wolfsforscher träumen, sagt Sabine Knapp aus Heppenheim, Mitglied im Freundeskreis freilebender Wölfe.
S. Knapp: „Das ist eine kleine Sensation, wenn man so was erlebt in seinem Leben. Die Wolfsforscherinnen in der Lausitz haben jahrelang nur Spuren gesehen und eine von den beiden, Frau Reinhardt, hat sich sogar mehrere Nächte an einen Rendezvousplatz gesetzt um endlich mal einen Wolf zu sehen, nachdem sie zwei oder drei Jahre schon dort war. Also einen Wolf bei uns in freier Wildbahn zu sehen, ist sehr, sehr unwarscheinlich.“
Ch. Wagner: ((Wolfsheulen)) Der Wolf - eine blutrünstige Bestie, die Menschen frisst und ganze Schafherden ausrottet – ein aberwitziger Mythos, der dazu geführt hat, dass das Raubtier fast ausgerottet wurde. Und so war die Freude groß, als Anfang 2009 im Reinhardswald der erste Wolf seit 150 Jahren gesichtet wurde. Die meisten der 19 Wolfsrudel, die es mittlerweile in Deutschland gibt, leben in der Lausitz. Wenn die Wölfe im Alter von eineinhalb Jahren ihr Rudel verlassen, um eine eigene Familie zu gründen, legen sie viele Kilometer zurück, auf der Suche nach einem neuen Territorium. Das zeigt der Fall von Alan aus der Lausitz. Vor knapp vier Jahren hatten die Forscher dem Jungtier ein Sendehalsband verpasst.
S. Knapp: Alan ist innerhalb von 6 Wochen bis nach Weißrussland gelaufen. Er hat zwischendurch eine Pause gemacht, in Litauen, aber insgesamt ist er innerhalb von 6 Wochen 1.500 Kilometer gelaufen. Und wenn Alan in die andere Richtung gelaufen wäre, wäre er in Paris, oder im Ärmelkanal oder so in der Gegend von Nizza gelandet.
Ch. Wagner: Oder … im Odenwald.
S. Knapp: Beim Odenwald ist besonders interessant, dass er vom Naturraum ähnlich ausgestattet ist wie die Lausitz. Hinzu kommt, dass lauter so gut geeignete Lebensräume wie so ein Flickenteppich bis in die Lausitz aneinandergereiht sind. Also er könnte praktisch von der Lausitz durch lauter für ihn günstige Landschaften bis in den Odenwald laufen und sich dort niederlassen.
Ch. Wagner: Für die Wolfsforscher ist Hessen besonders interessant. Denn es ist das erste Bundesland, in dem zwei Wölfe aus verschiedenen Populationen aufgetaucht sind.
S. Knapp: „Der Reinhardswaldwolf ist nachgewiesen aus der Lausitz und der Wolf, der im Westerwald erschossen worden ist, das war ja der Gießener Wolf, und der kommt aus Frankreich oder aus Italien. Und wenn sich so zwei Wölfe, Männchen und Weibchen hier treffen könnten, dann würden sich endlich nicht mehr nur Cousin und Cousine paaren sondern es wären zwei getrennte genetische Linien und so was ist ganz wichtig. Es hält eine Population stabil, sie ist dann nicht so empfindlich gegenüber ungünstigen Einwirkungen von außen.“

Abmoderation Hermann Hillebrandt:
„Wölfe in Deutschland – wie sie leben und wie sie erforscht werden.“ Am 22. Januar hält Sabine Knapp einen Vortrag über das Thema - um 20 Uhr in der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim.