Jüngster Zuhörer kannte Rabe und Wolf

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19.04.2013 - Er saß gleich in der ersten Reihe, um ja alles mitzubekommen: der jüngste Besucher des Vortrages von Beatrix Stoepel vom Freundeskreis freilebender Wölfe über "Das Märchen vom Alphawolf" im Möllner Naturparkzentrum Uhlenkolk. Im Seminarraum des neuen, gerade erst im letzten Herbst fertiggestellten Gebäude des Naturparks Uhlenkolk von Mölln (Landkreis Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Holstein) folgte der vielleicht 9 oder 10 Jahre alte Junge aufmerksam Stoepels Erläuterungen über das Familiienleben der Wölfe: wie ein Rudel entsteht, wie sie sich verbreiten und wo überall in Deutschland sie schon anzutreffen sind. Als die Rede darauf kam, dass Wölfe kein Rudel brauchen, um erfolgreich auch große Tiere zu jagen, es aber sinnvoll sei, den Rest der Beute den eigenen Nachkommen zu überlassen statt anderen Aasfressern wie Seeadler oder Fuchs, meldete sich der junge Besucher zu Wort: "Und Raben! Die folgen den Wölfen sogar, damit sie an deren Beute mitfressen können." Eins rauf mit Schulmappe hieß es bei solch richtigen Aussagen früher in der Schule (zu lang vergangenen Zeiten, als die Besten noch - pädagogisch völlig verkehrt - vorne und die Leistungsschwächeren weiter hinten im Klassenraum saßen). Dass ihm das Thema Wolf nicht neu ist, zeigte der Junge auch noch durch sehr präzise gestellte Fragen.

Doch auch die etwa 30 erwachsenen Besucher beteiligten sich lebhaft mit Fragen und Diskussion. Etwa die Frage, warum viele Jäger unbedingt wollen, dass der Wolf ins Jagdrecht komme und was sich dann rechtlich ändern würde. Stoepel erläuterte, dass sich damit zunächst gar nicht viel ändere, weil die Naturschutzgesetze auch dann noch greifen würden und dem Jagdrecht übergeordnet sind. In Sachsen, dem einzigen Bundesland, in dem der Wolf inzwischen wieder dem Jagrecht unterstellt ist, ist zudem verboten, dass Jäger sich einen toten Wolf aneignen dürfen - was bei anderem Wild gestattet ist. Damit soll vermieden werden, dass die für das Wolfsmonitoring zuständigen Wissenschaftler nichts von solchen Funden erfahren und sie nicht nutzen können. Warum viele Jäger trotzdem den Wolf im Jagrecht wünschen, habe, so vermutet die Nichtjägerin Stoepel, vor allem politisch-psychologische Gründe. Sei der Wolf im Jagdrecht, so hätten viele wohl das Gefühl, sie hätten dann als Jäger auch wieder mehr Einfluss auf seine weitere Verbreitung. Rechtlich gesehen ist das jedoch - zumindest bislang - nicht der Fall. Weitere Informationen dazu link

Natürlich wies Stoepel zum Abschluss auch auf die Arbeit des Freundeskreises freilebender Wölfe hin, deren Pressesprecherin sie ist - und wie man sich aktiv beteiligen kann. Das Interesse war offenbar geweckt: Ihre mitgebrachten Vereinsflyer waren allesamt nach der Veranstaltung weg.

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