Ligabue – Ein Italiener in Frankreich

Route, die Ligabue (MT15) 2004 zurückgelegt hat. (C) Boitani et al. 2006

2004 Parma (I)/La Brigue (F): Im März 2004 wurde in der Nähe von Parma in Italien ein Wolf bei einem Verkehrsunfall verletzt. Eine Woche später ging es ihm wieder besser. Italienische Wissenschaftler verpassten ihm einen GPS-Halsbandsender und ließen ihn etwas weiter südlich in Abruzzen wieder frei (Boitani et al. 2005). Ligabue (M15) – so nannten Boitani und seine Kollegen den Senderwolf – blieb zunächst für ein paar Wochen in den Abruzzen, machte sich dann aber auf den Weg in Richtung Westen. Im September passierte er dann die Grenze nach Frankreich und lies sich in den französischen Seealpen nieder.

Jahrelange Debatte: Wer brachte den Wolf nach Frankreich?

Der Senderwolf Ligabue hatte für die italienischen Wildbiologen eine große Bedeutung. Mehr als 10 Jahre zuvor waren die ersten Wölfe in  in den französischen Alpen aufgetaucht. Und wie es auch heute noch in neu besiedelten Wolfsgebieten vorkommt, glaubten die Menschen nicht, dass das Raubtier von allein gekommen war. Es entbrannte eine jahrelange erbitterte Debatte um die Frage: "Wer brachte den Wolf nach Frankreich?". Insbesondere viele Politiker nahmen die Haltung ein, dass diese Wölfe illegal ausgesetzt worden waren.

Und er läuft doch auf den eigenen Füßen!

Das Wanderverhalten von Wölfen war kaum erforscht und so standen die Einschätzungen von Wolfsbefürwortern denen der Gegner ohne belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber. Die Forderung der Gegner lautete: „Schießt die Wölfe ab. Die sind nicht von hier!“. Es entstand ein enormer politischer Druck auf die französischen Wissenschaftler, diese Interpretation mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu untermauern.
Doch dann konnten Boitani et al. durch diesen glücklichen Zufall zeigen, dass ein Senderwolf ganz von allein und auf eigenen Füßen von Italien über den Apenin nach Frankreich in die französischen Alpen kommen konnte. Das waren belastbare wissenschaftliche Fakten, denen sich am Ende auch die französischen Politiker beugen mussten. (SKn)

Quellen:
Boitani, L., Marucco, F., Avanzinelli, E., Gazzola, A., Tropini, A., Dalmasso, S., Passalaqua, C., and Ricci, S. (2005): Progetto Lupo.
Regione Piemonte. Report: 1-58. Download
Boitani, L. 2010: Science and conservation of Large Carnivores in Europe. – Vortrag im Rahmen der öffentlichen Abschlusskonferenz anlässlich des Arbeitstreffens zum Thema „Internationaler wissenschaftsbasierter Artenschutz“ im Ramat Hanadiv Naturpark Park (Israel) am 9.3.2010 Download