Marie hatte Welpen!

Marie im Juni 2012, als sie ihren Sender bekommen hat. (C) LUPUS

23.7.2013 – Rietschen: Die Senderwölfin Marie (FT7) aus dem Milkeler Rudel hatte Welpen. Das schließen die Wildbiologinnen von LUPUS aus den Daten, die ihnen der Halsbandsender von Marie im Mai und Anfang Juni geliefert hat. Die Höhle wurde mittlerweile gefunden. Von den Welpen aber fehlt jede Spur. Außerdem ist noch unklar, ob Maries Mutter in diesem Jahr Welpen führt.

Vergleich mit dem Nochtener Rudel drängt sich auf

Lisa im August 2011 (C) Sascha Büttner

Ähnliche Befunde hatte es im vergangenen Jahr aus dem Nochtener Rudel gegeben. Eine Tochter (Lisa, FT2) der alten Revierinhaberin (Einauge, FT3) hatte mit einem neuen Rüden Welpen aufgezogen. Einauge und der alte Rüde wurden aus ihrem Kerngebiet an den Süd-Ostrand ihres ehemaligen Territoriums verdrängt. Welpen zogen sie nicht mehr auf. Im April 2013 wurde die ehemalige Leitfähe dann tot aufgefunden. Sie war in Folge zahlreicher, massiver Bissverletzungen gestorben. Möglicherweise hatte sie sich diese Verletzungen bei Revierstreitigkeiten zugezogen.

Blick nach Nordamerika

Einauge (FT8) Im August 2010 (C) LUPUS

In der Regel leben Wölfe in Kleinfamilien bestehend aus den beiden Elterntieren mit ihren Nachkommen. Die meisten Jungtiere wandern im Alter von 1-2 Jahren ab, oft bevor sie die Geschlechtsreife erreichen. Einzelne Individuen können aber auch drei Jahre und länger in ihrem Elternrudel bleiben. Aus Nordamerika ist bekannt, dass gelegentlich in einem Rudel mehr als ein Wurf Welpen aufgezogen wird.

Zwei Würfe im Rudel nur bei gutem Nahrungsangebot

Die Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass das nur dann der Fall ist, wenn die Wölfe genug Nahrung erbeuten können, ansonsten würde die Wolfsfähe keine weitere erwachsene Fähe neben sich im Rudel dulden, auch nicht eine Tochter. Ist genügend Nahrung für alle vorhanden, werden auch ältere Nachkommen im Territorium geduldet. In solchen Fällen kann es dazu kommen, dass z.B. eine bereits erwachsene Tochter ebenfalls Welpen aufzieht.

Wer ist der Vater von Maries Welpen?

Marie mit ihrem Stiefvater im Februar 2013 (C) LUPUS

Der Vater dieser Welpen kann ein herumwandernder Wolf sein oder ein sogenannter Adoptivwolf, der eine Weile im Rudel mitläuft. Kommt der Vaterrüde eines Rudels um und wird durch einen neuen männlichen Wolf ersetzt, so kann dieser sich theoretisch sowohl mit der Fähe als auch mit einer erwachsenen Tochter des Rudels paaren. Genau das ist bereits jetzt im Milkeler Rudel der Fall: Der aktuelle Milkeler Rüde ist der Stiefvater von Marie (FT7). Ob er auch der Vater ihrer Welpen ist, ließe sich nur anhand von Genetikproben von Maries Welpen feststellen.
Sollte auch Maries Mutter, die Milkeler Fähe, Welpen aufziehen (der Nachweis steht noch aus), so wäre das der bisher erste nachgewiesene Fall eines Mehrfachwurfes in Deutschland. (SKn)

Quellen: Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz (KB) 23.7.2013 Link, KB 27.3.2013 Link, Statusbericht Wölfe in der Lausitz 2011/2012 Download, KB 6.11.2012 Link

Interne Links:
23.7.2013 Neues von Greta, Frieda und Timo Link
15.5.2013 Greta und Frieda – die neuen Senderwölfinnen Link
16.08.2012 Neues von der Senderwölfin „Marie“ Link
10.4.2013 Marie noch zu Hause – MT5 umgezogen Link