Almabtrieb im Schweizer Wolfsgebiet – Herdenschutz par ecellence

Lage der Alp Ramotz mitten im Wolfsgebiet. © CHWOLF

17.9.2013 – Alp Ramotz (CH): In den Schweizer Calanda-Bergen lebt seit einem Jahr ein Wolfsrudel, in dem bereits zum zweiten Mal Welpen zur Welt gekommen sind. Und genau hier im Wolfsgebiet, auf der Alp Ramotz, sömmerten seit Mitte Juni 420 Schafe. In der vergangenen Woche war der Alpabtrieb. Die Tiere sind wieder im Tal und werden in den kommenden Tagen von ihren Eigentümern abgeholt (siehe Video Link).

Keine Risse dank professionellem Herdenschutz

Vier Herdenschutzhunde (oben) und zwei Hütehunde (unten) unterstützen die Hirtin. © CHWOLF

Obwohl das Wolfsrudel in den Calanda-Bergen viel Futter benötigt, um die Welpen durchzubringen, hat es auf der Alp Ramotz in diesem Jahr keine Schäden durch Wolfsangriffe gegeben. Das kommt nicht von ungefähr, denn die Schafe wurden auf dieser Alm professionell gegen Wolfsangriffe geschützt. Ganz anders als im Kanton Wallis, wo Anfang September die Behörden den Abschuss eines Wolfes angeordnet hatten, weil er angeblich mehr als 35 Schafe gerissen haben soll. Diese Schafe waren den Angriffen ungeschützt ausgeliefert gewesen. Die Behörden begründeten den Abschuss ohne vorherige Herdenschutzversuche damit, dass die Almen „nicht schützbar“ seien.

Schutz der Schafe mit Nachtpferch, Lappzaun und Hunden

Schafe im Nachtpferch. © CHWOLF

Die Hirtin Carmen Hernandez zeigte in diesem Sommer auf der Alp Ramotz, wie man Schafherden im Hochgebirge vor Wolfsangriffen schützen kann. Sie hat gemeinsam mit sechs Hunden die Alpsaison bei den Schafen verbracht. Für die Nacht treibt die Hirtin die Schafe in einen Pferch, der zusätzlich mit Lappzaun gesichert ist. Um mit beiden Hütehunden (Bordercollies) gleichzeitig arbeiten zu können, lenkt Carmen den einen Hund mit Wort- den andern mit Pfeifkommandos. Sie gehorchen der Hirtin aufs Wort und arbeiten präzise, sicher und mit sichtlicher Freude. Wenn die Schafe im Pferch sind, beginnt die Arbeit der vier Herdenschutzhunde. Zwei der vier bleiben innerhalb des Pferches, die beiden anderen teilen sich die Arbeit außerhalb.

Wölfe waren oft präsent

Bei schlechter Sicht ist es besonders schwierig, die Herde beisammen zu halten. © CHWOLF

Vor allem als sich Carmen mit ihrer Herde im mittleren Weidebereich aufhielt, war der Druck der Wölfe zu deutlich zu spüren. Kein Wunder, denn ein von den Wölfen stark frequentierter Pfad führte durch diesen Teil der Alm. Jede Nacht zeigten die vier Herdenschutzhunde durch intensives Bellen und Unruhe an, dass die Wölfe in der Nähe der Herde waren. Auch Wolfsgeheul war oft zu hören. In der Woche vor dem Abstieg war zudem das Wetter sehr schlecht. Es herrschte dichter Nebel. Bei schlechter Sicht ist es viel schwieriger, alle Schafe zusammenzuhalten und abends in den Nachtpferch zu treiben. Das ein oder andere Schaf ist dann nicht zu sehen und auch die Arbeit mit den Hütehunden ist viel schwieriger.

Gute Erfahrungen mit Vorbildcharakter

Im Tal wieder angekommen. © CHWOLF

Schafe, Hunde und Schäferin sind nun wieder im Tal. Die Schafe werden in den nächsten Tagen von ihren Eigentümern abgeholt. Die vier Herdenschutzhunde dürfen den Winter über zusammenbleiben und einen Teil ihrer Herde weiterhin beschützen. Carmen Hernandez zeigte beispielhaft, dass Hochgebirgsalmen in Wolfsgebieten durchaus vor Wolfsangriffen geschützt werden können. Dieser hervorragende Herdenschutz hat aber auch seinen Preis: Durch die Sömmerungsbeiträge und Kostenzuschüsse staatlicher Institutionen werden die entstehenden Kosten leider bei weitem nicht gedeckt. Der Alpbewirtschafter und die Züricher Kantonale Schafzuchtgenossenschaft haben also einen enormen zeitlichen und finanziellen Mehraufwand auf sich genommen und wurden zudem zeitweise noch unterstützt durch freiwillige Helfer des Vereins CHWOLF. Trotzdem zeigten die Beteiligten, dass es eigentlich keine unschützbaren Almen gibt. (SKn)

Quellen und weitere Links:

13.9.2013 Bericht CHWOLF Download
7.9.2013 Bericht CHWOLF Download
28.7.2013 Bericht CHWOLF Download
13.9.2013 Video vom Abtrieb Link 

3.9.2013 Stellungnahme Freundeskreis freilebender Wölfe zum Wolfabschuss im Wallis Link