Bis zu acht Wolfsrudel leben im Lebuser Land

24.02.2015 - Auf bis zu acht Rudel mit vier bis sechs Tieren pro Familie wird die Zahl der Wölfe geschätzt, die in Wäldern der benachbarten Region Lebuser Land in Polen heimisch geworden sind.

Nach Beobachtungen der regionalen Direktion für Umweltschutz kamen einzelne Tiere aus Deutschland hierher oder wanderten aus dem nordwestlichen Polen – Ermland und Masuren – ein. Zwei Rudel leben in den Niederschlesischen Wäldern der Kreise Sorau und Sagan. Überdies werden zwei Rudel in der waldreichen Gegend um Rzepin (Reppen) vermutet. Im 1.350 Quadratkilometer großen Wald der Puszcza notecka sollen vier Rudel leben.

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Umweltbehörde insgesamt fünf erwachsene Tiere bei Unfällen mit Autos ums Leben gekommen. Zudem gingen zehn Mitteilungen von Landwirten ein, die nach Angriffen auf ihre Viehbestände Schadensersatzansprüche geltend machten. Lediglich in drei Fällen wurden die durch Wolfsrisse verursachten Schäden reguliert.

Verbreitung der Wölfe in Polen

In Polen gibt es insgesamt etwa 800-900 Wölfe. Eines der größten Rückzugsgebiete der polnischen Wölfe sind dabei die Berge und Hügel der Karpaten, die etwa 200-250 Tiere in 50 Rudeln beherbergen. Diese Population hält sich teilweise auch in der Slowakei und in der Ukraine auf. Ein anderes Wolfsgebiet sind die weiten Wälder im Nordosten des Landes. Hier leben ebenfalls etwa 50-55 Wolfsrudel. In den großen Nationalparks im Osten Polens (Roztocze und Polesie) leben ca. 16-21 Rudel.

Im westlichen Polen,  nahe der deutsch-polnischen Grenze, führt die polnische Non-Profit-Organisation Association for Nature „Wolf“ um die Biologin Sabina Nowak regelmäßig Bestandsaufnahmen durch, die unter anderem durch den IFAW finanziert werden. Die Wissenschaftler schätzten aufgrund ihrer Forschungen den Wolfsbestand zum Ende des Monitoring-Jahres 2013/14 westlich der Weichsel auf insgesamt 31 Rudel beziehungsweise Wolfspaare. Dieses Vorkommen steht in enger Verbindung mit den Wölfen im östlichen Deutschland (v. a. Brandenburg und Sachsen) und ist als eine Einheit zu sehen. Erfreulicherweise ist der Entwicklungstrend dieser Population positiv.

Laut Analysen der EuroNatur-Partner könnten drei Mal so viele Wölfe in Polen leben, wenn es genügend Wanderkorridore gäbe. Derzeit aber wird für die Wölfe aus Ostpolen eine Wanderung nach Westen immer schwieriger. Intensive Landnutzung, Verkehrswege und Besiedelung unterbrechen die ehemals vorhandenen Wanderkorridore der Tiere und zerschneiden ihre Lebensräume.

Auch im Osten Deutschlands gibt es noch zu wenig Rudel, um eine stabile Populationen zu erhalten. Neue Wölfe müssen aus Polen nachkommen, damit für die Fortpflanzung ein ausreichend großer „Genpool“ vorhanden ist. Ansonsten würden zwangsläufig Probleme der Inzucht auftreten. Die ersten Tiere sind aus Westpolen eingewandert, und es besteht die Hoffnung, dass sich weitere Tiere aus dem Osten in Sachsen, Brandenburg oder anderen deutschen Bundesländern niederlassen.
Wichtig hierfür ist, dass die Tiere von ihren traditionellen Verbreitungsgebieten im Osten Polens ungehindert nach Westpolen und dann weiter ins östliche Deutschland gelangen können.

Quellen: Sächsische Zeitung 24.02.15, IFAW, Association for Nature „Wolf“ Polen, euronatur.org

juri.