Die Wolfsbürokratie wächst - die Hysterie auch

Dieser stattliche Wolf tappte bereits im Frühjahr 2013 in eine Fotofalle im Gartower Forst. Foto © Landesjägerschaft Niedersachsen

07.05.2015 - Am Mittwoch reagierte das Umweltministerium auf zunehmenden Unmut in der Bevölkerung über Wölfe, die sich zu nah an Siedlungen heranwagen: ein Wolfsbüro, ausgestattet mit drei Stellen, soll sich nun um die "Wolfsfragen" im Lande kümmern.

Die Debatte über die Endlagerung von Atommüll, die Beaufsichtigung alternder AKWs oder die Beförderung der Energiewende steht im Niedersächsischen Umweltministerium seit Tagen nicht auf Platz 1 der Prioritätenliste. Es sind die Wölfe, die die Energie der Ministerialbeamten im wahrsten Sinne des Wortes "auffressen".

Zuletzt war es ein Wolf aus dem Munsteraner Rudel, der sich zu nah an Siedlungen wagte und Uelzens Landrat Blume veranlasste, das "Wolfsthema" zur Chefsache zu erklären. Überall im Lande melden sich Zeugen, die einen Wolf gesehen haben wollen. So wie in Vietze, wo angeblich seit Wochen ein Wolf nachts an den Gärten vorbeischleicht. Eine Fotofalle bewies: es waren zwei Hunde, die sich nächtens in dem Elbedorf herumtreiben. Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass (mindestens) ein Wolf in Vietze umgeht.

Jäger geben zu, dass ihnen "mulmig" ist, wenn sie in den Wald gehen - und nur schwach getarnt lassen sie durchblicken, dass sie "natürlich" auf einen Wolf schießen würden, wenn sie denn jemals einen sehen würden.

Der Wolf wird in Niedersachsen immer mehr zum Konfliktthema. Uralte Ängste treffen auf Futterneid (Wölfe haben ein ziemlich gleiches Beuteschema wie Jäger), irrationale Verehrung trifft auf Wolfshass und -phobie. Keine einfache Aufgabe für ein grünes Umweltministerium, für das Natur- und Artenschutz bisher oberste Maxime der Politik war.

Ein "Wolfsbüro" solls richten

Mit der Einrichtung eines Wolfsbüros, angesiedelt beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, will Umweltminister Stefan Wenzel nun für mehr Ruhe an der "Wolfsfront" sorgen. Mit dem bereits vorhandenen Wolfskonzept, der Kooperation, dem finanziellen Ausgleich von Nutztierrissen und der Förderung von Präventionsmaßnahmen habe das Land schon jetzt wichtige Voraussetzungen für den Umgang mit dem Wolf geschaffen, so der Minister. Zur Weiterentwicklung des Konzepts und zum Erhalt und zur Förderung der Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung würden die Auswertung nationaler und internationaler Erfahrungen, die Schulungs- und Informationsveranstaltungen und die Beratungstätigkeit weiter intensiviert.

Aber das Ministerium weiß auch, dass die wachsende Wolfspopulation Behörden und Bevölkerung vor neue Herausforderungen stellt. Angesichts vermehrter Nahbegegnungen zwischen Mensch und Wolf, erläuterte Wenzel am Mittwoch die vom NMU geplanten Maßnahmen:

Es wird ein Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eingerichtet und personell mit drei Stellen ausgestattet. Neben der Bearbeitung der Meldungen über Nutztierrisse einschließlich der Auszahlungen sowie der Bearbeitung von Anträgen auf Präventionsmaßnahmen soll damit auch eine Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit und der Beratungstätigkeit erfolgen. Wenzel: „Ich bin überzeugt, dass die Einrichtung des Wolfsbüros im NLWKN einen wichtigen Beitrag für das konfliktarme Zusammenleben von Wolf und Mensch leisten wird. Die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen wird von den Nutztierhaltern bislang gut nachgefragt. Wir arbeiten weiter daran, die zügige Bearbeitung zu gewährleisten."

Bereits im März hatte der Umweltminister eine verstärkte Zusammenarbeit auf Bundesebene angeregt. Das Thema wird auf die Tagesordnung der nächsten Umweltministerkonferenz Ende Mai kommen. Wenzel fordert unter anderem eine bundesweite Melde- und Dokumentationsstelle für den Wolf. Dort sollen alle Beobachtungen und Bewertungen zu Wolfssichtungen zusammengeführt und über einen bundeseinheitlichen Umgang mit auffälligen Wölfen beraten werden. zum auffälligen Verhalten hat hohe Priorität, um dort, wo notwendig, mit geeigneten Mitteln und angemessen reagieren zu können. Die Sicherheit des Menschen steht dabei immer an erster Stelle!"

Erst vor zwei Tagen war das Ministerium von seiner bisherigen strikten Ablehnung von Wolfstötungen abgewichen und sieht nun auch in bestimmten Fällen eine "Regulierung" von Wölfen als notwendig an. Für Wolfsberater ist diese Ankündigung sowie die Einrichtung eines Wolfsbüros "ein Schritt in die richtige Richtung". Sie wissen durch ihre Arbeit schon lange, wie sehr die Bevölkerung mit der Anwesenheit des Wolfes in "ihren" Wäldern hadert.

Quelle: Angelika Blank, wendland.net.de

Zu den o. a. Änderungen im Wolfsmanagement Niedersachsen hat das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz eine Presseerklärung veröffentlicht: Link

jwe./juri.