Wieviele Wölfe verträgt Deutschland?

Foto © Jens Hennings

Wieviele Wölfe verträgt Deutschland? Die Rolle von Annahmen in regelbasierten Vorhersagemodellen für Habitat-Generalisten.

Dominik Fechter*, Ilse Storch
Universität Freiburg, Lehrstuhl für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Baden-Württemberg, Deutschland

Zusammenfassung

Insbesondere aufgrund der heutigen strengen gesetzlichen Schutzmaßnahmen gelingt es vielen Arten, darunter auch Großraubtieren, Lebensraum in Europa zurück zu erobern. Um das zu erwartende  Mensch-/Tier KonfliktPotenzial im Voraus abzuschätzen, können Vorhersagemodelle genutzt werden, um potenziell geeigneten Lebensraum und Gebiete zu erfassen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig wieder besiedelt werden. Da Felddaten, also vor Ort gewonnene Daten, oft nur begrenzt zur Verfügung stehen, werden oftmals quantitativ/regelbasierte Modelle oder die Hochrechnung von Ergebnissen anderer Studien angewandt. Am Beispiel des Wolfes (Canis lupus) in Deutschland, als Habitat-Generalist, haben wir ein Habitatmodell entwickelt, welches auf der Grundlage von Lage und Ausdehnung zwölf bestehender Wolfsreviere im Osten Deutschlands, dem aktuellen Wissensstand über die Biologie der Wölfe, verschiedener Lebensraum-Modellierungstechniken und weiterer Daten, zehn verschiedene Parametersätze analysiert und uns mit den folgenden Fragen auseinandersetzt:  

1.  Wie beeinflussen a priori Annahmen und unterschiedliche Eingangsdaten oder Modellierungsmodelle die Menge und Verteilung potenziell für den Wolf geeigneten Lebensraumes und die Anzahl der Wolfsrudel in Deutschland?
2.  Welche Gebiete werden bei einer Synthese über die Eingangsparameter als am besten geeignet erachtet?  
3.   Stimmen bestehende Wolfsreviere in Ostdeutschland überein mit dem aktuellen Wissensstand der Wolfbiologie und Lebensraum-Beziehungen?

Unsere Ergebnisse zeigen, dass, je nachdem, welche Annahmen über Lebensraumbeziehungen in das Modell einfließen und welche Modellierungsmethodik angewandt wird, die Menge potenziell geeigneten Habitats sehr stark variiert. So könnte Deutschland, abhängig von a priori-Annahmen, zwischen 154 und 1769 Wolfsrudel beherbergen. Die Standorte vorhandener Wolfsrudel in Ostdeutschland zeigen, dass Wölfe sich sehr gut an dicht von Menschen besiedelte Gebiete anpassen können aber beschränkt sind auf Gegenden mit geringer Straßendichte. Unsere Analyse legt nahe, dass vorausschauende Habitatkarten generell mit Vorsicht interpretiert werden sollten und verdeutlichen die Gefahr für Habitat-Modellierer, sich nur auf eine Auswahl einzelner Habitatfaktoren oder Modellierungstechnik zu konzentrieren.

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Übersetzung aus dem Englischen: Peter Kiermeir

Den Original-Artikel finden Sie hier: Link

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