Chronologie der Rückkehr

Aufgrund der wachsenden Verbreitung, der Zahl der Wölfe und der damit verbundenen Ereignisse endet diese Chronologie mit dem Jahr 2009 - den aktuellen Stand finden Sie unter Wolfsnachweise Deutschland sowie unter Wolfsbestand Lausitz.

um 1850
Nach einem Jahrhunderte dauernden Ausrottungsfeldzug gilt die Wolfspopulation in Deutschland als erloschen. Nur noch vereinzelt tauchen Durchzügler auf, die immer für großes Aufsehen sorgen.

1904
Der letzte aller letzten Wölfe, der so genannte "Tiger von Sabrodt", wird in Sachsen geschossen, dort, wo heute erneut Wölfe leben.

1945-1990
Insgesamt 22 Wölfe, in den meisten Fällen junge Rüden, werden in Deutschland geschossen, 13 davon in der DDR.

1987
Der Wolf wird in der BRD unter Schutz gestellt. In der DDR darf und soll der Wolf weiterhin geschossen werden.

1990
Mit der Wiedervereinigung gilt der Wolf in ganz Deutschland als streng geschützte Art.

1990-1999
In den neuen Bundesländern werden mindestens 5 Wölfe geschossen, zwei weitere überfahren.

1995
Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz beobachten Revierförster immer wieder einen einzelnen Wolf.
In Bayern wird ein Wolf von einem Zug überfahren.

1998
Erstmalige Sichtung von zwei Wölfen auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz.

2000
Im November beobachten Revierförster auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz 6 Wölfe: 2 Alttiere mit vier Jungen. Eine Sensation! Erstmals nach über 150 Jahren lebt in Deutschland wieder ein Rudel Wölfe!

Muskauer Heide Rudel: 2 Alttiere, mind. 4 Welpen

In Brandenburg wird ein dreibeiniger Wolf eingefangen und in den Tierpark Schorfheide gebracht.

2001
Wolfsbestand im Sommer:
Muskauer Heide Rudel: 2 Alttiere, ca. 4 Jährlinge, mind. 2 Welpen.

Im November gelingt es dem NDR-Kameramann Uwe Anders, einen Wolf auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz zu filmen.

2002
Im Frühjahr wird eine Schafherde bei Mühlrose wiederholt von Wölfen angegriffen. Ergebnis: 33 tote Schafe.

Wolfsbestand im Sommer:
Muskauer Heide Rudel: 2 Alttiere, mind. 2 Jährlinge, mind. 3 Welpen

Gesa Kluth und Ilka Reinhardt werden vom Land Sachsen für das Wolfsmanagement beauftragt (heute: Wildbiologisches Büro LUPUS).

Kurz vor Weihnachten deuten Urinmarkierungen am Rande des Muskauer Reviers darauf hin, dass sich im Westteil des TÜP bei Neustadt ein weiteres Wolfspaar angesiedelt hat.

2003
Im Sommer werden zwei Rudel in der Lausitz bestätigt:

1.) Muskauer-Heide-Rudel: 2 Alttiere, ca. 3 Jährlinge, 5 Welpen.

2.) Neustädter-Rudel: 2 Alttiere, 9 Welpen (später als Hybriden identifiziert)

Im Herbst werden 6 Welpen des Neustadt-Rudels gefilmt. Die Tiere sehen deutlich anders aus als die Welpen des Muskauer-Heide-Rudels. Vermutlich waren die Neustädter Wölfe Geschwister, sie haben sich jedenfalls nicht miteinander gepaart. Statt dessen ist ein Hund Vater der Welpen geworden. Im November kann nur noch ein Altwolf mit 6 Welpen nachgewiesen werden. Der 2. Altwolf ist verschwunden.

2004
Im Januar  führt die Wölfin nur noch 4 Welpen. Sie und zwei Welpen werden eingefangen. Die Welpen kommen in ein Gehege im Nationalpark Bayrischer Wald, wo sie einige Monate später sterben. Die Wölfin trägt seitdem ein Senderhalsband und kann daraufhin gut zwei Jahre lang telemetrisch verfolgt werden.

In Krakau, Polen, durchgeführte genetische Untersuchungen bestätigen, dass die Welpen tatsächlich Hybriden waren.

Wolfsbestand im Sommer
1.) Muskauer-Heide Rudel:  2 Alttiere, ca. 5 Jährlinge, ca. 2 Welpen
2.) Neustadt: 1 Wölfin,  0 Jährlinge, 0 Welpen

Im September gesellt sich ein Wolfsrüde zu der Neustädter Wölfin.

Im Oktober beginnt Jana Schellenberg ihre Arbeit als Leiterin des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz (Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit)

2005
Wolfsbestand im Sommer
1.) Muskauer Heide Rudel: 2 Alttiere, ca. 2 Jährlinge, 5 Welpen.
2.) Neustädter Rudel: 2 Alttiere, 0 Jährlinge, 5 Welpen

2006
Februar:
Eine Tochter des Neustädter Rudels wird im Februar im Südosten Brandenburgs (Landkreis Spree Neiße) auf der A 15 an der polnischen Grenze überfahren, ca. 30 km von ihrem  Elternterritorium entfernt. Bald darauf zeigt sich, dass ein einzelner Wolf ganz in der Nähe seßhaft geworden ist.

Südlich der beiden bekannten Rudelterritorien in der Region des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft gibt es Hinweise auf 2 weitere Wölfe, laut Genanalyse Einwanderer aus Polen.

Wolfsbestand im Sommer:
1.) Muskauer Heide Rudel: 2 Alttiere, ca. 3 Jährlinge, 8 Welpen
2.) Neustädter Rudel: 2 Alttiere, ca. 3 Jährlinge, 6 Welpen

Oktober:
ein Welpe des Muskauer Heide Rudels wird tot aufgefunden.

2007
Februar:
ein weiterer Welpe des Muskauer Heide Rudels wird bei Boxberg überfahren.

Der einzelne Wolf in Brandenburg wird als Fähe identifiziert. Sie hat inzwischen einen Gefährten. Die Herkunft beider Wölfe ist bislang nicht bekannt.

April:
ein ca. einjähriger Wolfsrüde in Schleswig Holstein wird bei Eutin angefahren und getötet. Genetische Untersuchungen zeigen, dass er der deutsch-westpolnischen Population angehört -  damit ist er der erste wildlebende Wolf in Schleswig-Holstein nach über 100 Jahren         

Mai:
Ein Wolf wird in Niedersachsen bei Unterlüß/Lüneburger Heide (Landkreis Uelzen) anhand von Fotos nachgewiesen. Bereits seit Herbst 2006 hatte es immer wieder Hinweise auf einen Wolf in der Region gegeben. Genanalysen sollen seine Herkunft und mögliche Verwandtschaft zu den Lausitzer Rudeln klären.

Aus der Region südlich der bekannten Rudelterritorien in der Lausitz gibt es seit Herbst 2006 nur noch sehr unregelmäßige Hinweise auf einen Wolf.

Juli:
Ein drittes Rudel (Daubitzer Rudel) wird in der Lausitz nachgewiesen.

Auch in Brandenburg scheint sich ein Rudel etabliert zu haben – zum ersten Mal nach 150 Jahren. Spuren deuten auf Welpen hin.

Wolfsbestand im Sommer 2007:
1) Nochtener Rudel (ehemals Muskauer Rudel): 2 Alttiere, mind. 2 Jährlinge, 5 Welpen
2) Daubitzer Rudel: 2 Alttiere, mind.  4 Jährlinge, mind. 4 Welpen
3) Neustädter Rudel: 2 Alttiere, mind. 1 Jährling,   8 Welpen
4) Zschornoer Wölfe: 2 Alttiere, Welpen vermutet

August:
Bei Luckau in Brandenburg wird eine einjährige Wölfin illegal erschossen. Die Ermittlungen werden ein halbes Jahr später ohne Ergebnis eingestellt.

Oktober:
In der brandenburgischen Uckermark wird ein Wolf beim Überqueren einer Wildbrücke von einer automatischen Überwachungskamera gefilmt.

15. Dezember:
Im Landkreis Lüchow-Dannenberg bei Gedelitz wurde am Nachmittag im Verlauf einer Gesellschaftsjagd ein Wolfsrüde illegal erschossen.

2008
09. Januar:
Im Landkreis Ludwigslust bei Woosmer (Mecklenburg) werden ein Mutterschaf und zehn Jungtiere vermutlich von zwei Wölfen gerissen.

25. Januar:
Ein Welpe des Nochtener Rudels wird auf der B 156 zwischen Boxberg und Weißwasser überfahren.

Februar:
Die Zschornoer Wölfe führen keine Welpen mehr. Sie haben ihre Jungen offenbar schon im Sommer 2007 verloren.

Mai:
Im nordhessischen Reinhardswald wird erstmals ein Jungwolf gesichtet. In den folgenden Wochen wird das Tier immer mal wieder gesehen und sogar fotografiert.

Juli/August:
Die Wildbiologen erhalten Hinweise auf zwei neue Rudel in der sächsischen Lausitz. Sie haben ihre Kerngebiete südlich der bereitsbekannten Rudel im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Nach den Ortschaften, in deren Nähe sie leben, werden sie Milkeler Rudel und Daubaner Rudel genannt.

Wolfsbestand im Sommer 2008:
1) Nochtener Rudel (ehemals Muskauer Rudel): 2 Alttiere, 5 Jährlinge, 8 Welpen
2) Daubitzer Rudel: 2 Alttiere, 4 Jährlinge, mind. 1 Welpe
3) Neustädter Rudel: 2 Alttiere, bis zu 8 Jährlinge, mind. 5 Welpen
4) Milkeler Rudel: 2 Alttiere, mind. 3 Welpen
5) Daubaner Rudel: 2 Alttiere, mind. 2 Welpen
6) Zschornoer Wölfe: 2 Alttiere, keine Welpen

Oktober:
Im Solling in Südniedersachsen wird erstmals ein Wolf gesichtet. Es handelt sich vermutlich um denselben Wolf, der vor einigen Monaten im nahe gelegenen hessischen Reinhardswald beobachtet wurde. Sein Streifgebiet erstreckte sich in diesem Fall über 800 Quadratkilometer  beidseitig der Weser.

2009
Januar:
Innerhalb von drei Wochen kommen drei Welpen des Nochtener Rudels ums Leben. Einer wird auf der B 156 zwischen Boxberg und Weißwasser überfahren, einer wurde auf einer Bahnstrecke gefunden, ein dritter in einem Wald zwischen dem Tagebau Reichwalde und Kreba (Kreis Görlitz).

Bestand seit 2009 siehe unter "Wolfsbestand Lausitz"
BSt