Der Wolf in unserer Kulturlandschaft

Foto © J. Riech

Eine Frage wird immer wieder gestellt: Passt der Wolf in unsere Kulturlandschaft?

Unsere Landschaft haben wir Menschen geformt und damit die Natur nicht nur verdrängt, sondern auch verändert.  Wälder wurden gerodet, dafür entstanden Straßen, Dörfer und Städte.   Wir nutzen unsere Landschaft, um Futtermittel, Lebensmittel, Energie und verschiedene Kulturpflanzen anzubauen. Auch die Bäume der Wälder dienen uns zum überwiegenden Teil als Rohstoff. Im Laufe der Jahrtausende änderte sich unsere Umwelt gemäß der menschlichen Bedürfnisse.

Etliche Tiere und Pflanzen sind bei uns ausgestorben, einerseits durch Verdrängung aber auch aktiv aus Konkurrenzdenken,  Aberglaube und der Ansicht, dass bestimmte Arten nicht gebraucht werden.
Glücklicherweise hat sich das Wissen über die Natur weiterentwickelt. Aktuellen Erkenntnissen zufolge wissen wir jetzt, dass  vorhandene Kreisläufe in der Natur die Funktion aller Lebewesen im Ökosystem unverzichtbar machen und alles Sein voneinander abhängt.

Zwischen den Kulturlandschaften, die entstanden sind, ist die ursprüngliche Natur nie ganz verschwunden. Heute wird Landschaftspflege finanziell gefördert. Erkannt wurde, dass sich immer wieder durch Kultivierung eine einzigartige Natur entwickelt oder angesiedelt hat;  beispielsweise die Bergwiesen, Heideflächen, Obstwiesen, Hutewälder und viele mehr.

Betrachten wir z. B. die monotonen Maisfelder von heute. Können Sie sich vorstellen, dass diese Flächen für die Natur wertvoll sein können? Durch den Einsatz von Giften kann die  Natur fast unmöglich eigene Entwicklungen durchlaufen. Doch neben der Energienahrung,  von denen die Wildschweine profitieren, können die Maisfelder auch temporäre Wildbrücken für Luchs und Wildkatze sein, die sonst Wanderungen über offene Flächen meiden.

Heute haben wir mehr Rehe, Hirsche und Wildschweine als je zuvor.  Allein die Jagd auf diese Tiere führt im Durchschnitt zu zwei erschossenen Menschen in Deutschland pro Jahr.  Erfahrungen seit 2000 zeigen, dass rückkehrende Wölfe Reviere in unserer Landschaft finden, in denen genug Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten vorkommen, um Welpen aufzuziehen.

Nutztierhalter, die ihre Tiere noch artgerecht im Freien halten, sind die Unternehmer, die eine Umstellung  vornehmen sollten. Wir empfehlen dringend, ihre Haltungsformen umzustellen, da durch die Anwesenheit des Wolfs, die Nutztiere vor dem Ausbrechen zu hindern, nicht mehr ausreichenden Schutz bietet. Wir legen nahe, die Nutztiere auch vor dem Wolf zu schützen. Zum Teil werden Nutztierhalter bei Schutzmaßnahmen finanziell unterstützt.  Wir befürworten, diese weiter auszubauen, um die Akzeptanz für die Rückkehr der Wölfe zu fördern. Wichtig ist auch, Maßnahmen für den Herdenschutz weiter zu entwickeln. Für die Bevölkerung ist Aufklärung wichtig, da jetzt nach 150 Jahren wieder einen Großräuber in unserer Landschaft lebt und diese Tatsache erfordert, den Umgang mit ihm neu zu erlernen.

Da es auf der Erde kaum noch Lebensraum gibt, der nicht vom Menschen beeinflusst ist, können wir nur sagen: Der Wolf passt in unsere Kulturlandschaft, denn er ergänzt ihre dringend notwendige Artenvielfalt.

Uwe Martens
Mitglied im Vorstand  Freundeskreis freilebender Wölfe

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