Wolfsjahr

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Jährlich wiederholen sich im Herbst Medienberichte über die Zunahme von Nutztierrissen und  im Winter Berichte über Nahkontakte zwischen Mensch und Wolf. Dadurch wird allgemein der Eindruck vermittelt, dass die Wölfe sich den Menschen in bedrohlicher Weise nähern. Die nachfolgend verkürzte Beschreibung der Lebensweise unserer Wölfe, über ein Jahr gesehen, soll helfen zu verstehen, wieso sich o.g. Meldungen regelmäßig in der Presse wiederholen. Abgesehen davon gibt es jährlich in Wolfsgebieten Verbesserungen im Herdenschutz und vom Wolf neu besiedelte Gebiete sind überrascht von seiner Ankunft.

Das Jahr der Wölfe  in Kurzform

Übersicht Januar – März:

  • •    Die Elterntiere sichern das Revier, bereiten Wurfhöhlen vor und paaren sich.
  • •    Die etwa 20 Monate alten Wölfe verlassen das Revier und tauchen unter Umständen in Gebieten auf, in denen vorher keine Wölfe waren. Die Wölfe überqueren bei ihren Wanderungen viele Straßen und werden häufig Opfer von Verkehrsunfällen.
  • •    Die Welpen aus dem Vorjahr erkunden ohne Aufsicht neugierig das gesamte Revier und gelangen durch ihre Unbedarftheit und Neugier (typisches Welpenverhalten) in die Medien. 

Januar:     Die Welpen aus dem Vorjahr sind jetzt etwa 9 Monate alt. Einige der älteren Geschwister sind schon aus dem Revier ausgezogen. Die wilden Paarhufer finden schwer Nahrung und sind in der kalten Jahreszeit leicht zu erbeuten.  
Februar:   Die verbleibenden Wölfe, die schon das 2. Jahr im Rudel leben werden geschlechtsreif und wandern nach und nach ab. Die Altwölfe  brauchen sich nicht viel um die Familie zu kümmern, da genug schwache Beutetiere  als Nahrung zu finden sind. Die Elterntiere sind durch die Ranz damit beschäftigt, das Revier gemeinsam abzulaufen und sich zu paaren. Die Jungtiere aus dem Jahr zuvor sind zum ersten Mal ganz auf sich gestellt und erkunden nicht nur die Umgebung sondern das ganze Revier. Körperlich sind sie fast ausgewachsen, verhalten sich jedoch noch wie  Welpen. Die Welpenzeit bei Wölfen beläuft sich auf ca. 1 Jahr
März:    Die Familie sammelt sich immer mehr in der ruhigsten Gegend des Reviers – das Kerngebiet. Die Mutter gräbt immer neue Erdhöhlen für die kommenden Welpen um Ausweichquartiere zu haben.

Übersicht  April-Juni:

  • •    Welpen werden geboren.
  • •    Die Jährlinge übernehmen die Aufgabe, sich um die Welpen zu kümmern.
  • •    Die Wölfe haben sich im Kerngebiet ihres Reviers zurückgezogen.
  • •    Nahrung wie Kitze und Frischlinge sind reichlich vorhanden.
  • •    Wenige Übergriffe auf Nutztiere, jedoch können Nachgeburten bei Nutztieren auch Wölfe anlocken.

April:  Es wird ruhiger um die Wölfe, denn die Rudel ziehen sich weiter zurück, weil die Geburt der neuen Welpen bevorsteht. Einige der abgewanderten Wölfe  besetzen jetzt ein festes Gebiet, in denen sie als ortstreue Wölfe teilweise allein leben oder sogar Paare gebildet haben.
Mai:  Neue Welpen werden in einer Wurfhöhle geboren. Der Rüde ist für die Jagd zuständig und bringt Futter sowohl für die Fähe zur Wurfhöhle als auch für die Jungwölfe aus dem Vorjahr. Die Hauptnahrung besteht aus leicht zu erbeutenden Frischlingen und Kitzen.
Juni:   Die Welpen werden immer länger von der Mutter allein gelassen, da diese sich wieder an der Futterbeschaffung beteiligt, und erkunden zum Teil unter Aufsicht der großen Geschwister die nähere Umgebung.

Übersicht Juli bis September:

  • •    Während des Sommers entwickeln sich die Welpen sehr schnell.
  • •    Die Welpen verbringen viel Zeit mit den älteren Geschwistern auf dem Rendezvous-Platz.
  • •    Im September häufen sich Meldungen über Nutztierrisse.

Juli: Die Welpen verlassen die Höhle und die älteren Geschwister übernehmen die Aufsicht. Die Altwölfe sind mit der Jagd beschäftigt, um Futter zu besorgen
August: Die Welpen wachsen schnell und spielen viel auf dem Rendezvous-Platz, Den Treffpunkt des Rudels. Die Jährlingswölfe beaufsichtigen einerseits die Welpen und üben sich andererseits auch in der Jagd.
September:  Die Welpen sind schon reichlich gewachsen und brauchen viel Nahrung. Da auch die  älteren Geschwister das Jagen noch nicht beherrschen sind die Altwölfe kaum noch in der Lage genug Futter zu finden, da auch die Beutetiere fit für die Brunft sind und die Frischlinge und Kitze auch keine leichte Beute mehr darstellen.

Übersicht Oktober bis Dezember:

  • •    Im Herbst häufen sich Medienberichte über Nutztierrisse.
  • •    Jungwölfe unternehmen Ausflüge in revierfremde Gegenden.
  • •    Die Welpen wachsen schnell und sind zu Beginn des Winters fast so groß wie die Altwölfe

Oktober: Die natürliche Beute ist sehr fit und schwer zu erlegen, dadurch nehmen Nutztierrisse zu, wenn diese unzureichend geschützt sind. Nicht selten verhungern in dieser Zeit junge Wölfe.
November: Die Welpen sind körperlich schon weit entwickelt. Die Jungwölfe aus dem Vorjahr beteiligen sich an der Jagd.
Dezember: Jetzt zu Beginn des Winters ist eine Zeit der Umstellung. Nun herrscht viel Bewegung im Revier: die Welpen laufen oft allein, die Jungwölfe aus dem Vorjahr haben ihre Aufgabe verloren, auf die Welpen aufzupassen und unternehmen Ausflüge über das Revier hinaus. Die Altwölfe verfügen über mehr Zeit, um die Reviergrenzen zu markieren.

Uwe Martens, Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.

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