Wolf in Lodenau

Aufnahme der Fotofalle in der Nacht vom 03. zum 04. Juni 2016 © LUPUS

23.06.2016 - Wie die Sächsische Zeitung bereits am 07.06.2016 berichtete, wurde am 03.06.2016 um die Mittagszeit auf dem Vorhof eines Grundstücks im Rothenburger O.L. Ortsteil Lodenau (Landkreis Görlitz) ein Wolf beobachtet, wie er die Schwarte (Fell) eines dort am selben Tag zerlegten Wildschweins in das angrenzende Waldstück verschleppte.
Das Landratsamt Görlitz und das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland wurden umgehend über die Sichtung informiert. Da der Wolf in diesem Fall dabei beobachtet wurde, wie er die kurzzeitig frei auf dem Grundstück liegenden Wildreste wegschleppte, ist davon auszugehen, dass er von diesen angelockt wurde. Um zu beobachten, ob es sich um eine einmalige Gegebenheit handelte oder ob der Wolf wiederholt das Grundstück aufsucht, wurde eine automatische Wildkamera (Fotofalle) im Grenzbereich zwischen Grundstück und Wald aufgestellt. Außerdem wurden bei der Inaugenscheinnahme vor Ort Haare an einem Zaun sichergestellt und zur genetischen Untersuchung eingeschickt.
Aufnahmen der Fotofalle aus der darauffolgenden Nacht (s. Foto), sowie die genetische Untersuchung der Haare haben die Erstannahme bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelte. Die Untersuchung ergab den Nachweis eines männlichen Tieres, das keinem der bisher genetisch bekannten Rudel zugeordnet werden kann.
Seitdem lieferte die Fotofalle keine weiteren Aufnahmen eines Wolfes. Auch gab es bisher keine weiteren Sichtungsmeldungen von Wölfen aus diesem Bereich mehr.
Das Gebiet um Lodenau liegt im Grenzbereich von drei bekannten Wolfsterritorien: dem Daubitzer, dem Nieskyer und dem polnischen Ruszow Rudel. Neue Erkenntnisse hinsichtlich einer möglichen Neuetablierung in diesem Bereich könnten sich allerdings ergeben, wenn alle im letzten Monitoringjahr* (2015/2016) gesammelten Daten abschließend ausgewertet sind.

Hinweise aus der Bevölkerung sind sehr hilfreich zur Einschätzung des Vorkommens von Wölfen im Bereich Lodenau. Neben Sichtungsmeldungen sind auch zeitnahe Hinweise auf Losungen (Wolfskot), Spuren oder Risse, wenn möglich mit Fotos, interessant. Bitte melden Sie Hinweise zeitnah an das Landratsamt Görlitz (Tel. 03588 / 2233 3401, forstamt@kreis-gr.de), an das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland (Tel. 035727/ 57762, kontakt@lupus-institut.de) oder an das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ (Tel. 035772/ 46762, kontaktbuero@wolfsregion-lausitz.de).

Wölfe, die in Kulturlandschaften leben, können - auch wenn dies selten ist - durchaus am Tage in Ortsnähe gesehen werden, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist. Dies gehört ebenso zum Repertoire des normalen Wildverhaltens, wie die Tatsache, dass Jungwölfe durch ihre Neugierde und Naivität bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen als erwachsene Wölfe.
Dieses Verhalten macht die in der Kulturlandschaft lebenden Wölfe nicht gefährlicher als ihre Artgenossen, die in menschenleeren Gebieten leben oder die bejagt werden, wie auch Erfahrungen aus anderen Ländern belegen. Wichtig ist, dass die Wölfe keine direkten positiven Erfahrungen mit der Nähe von Menschen verknüpfen.
Was aus menschlicher Sicht als Abfall bewertet wird kann aus Sicht des Wolfes Futter sein und diesen anlocken. Grundsätzlich ist in Gebieten mit Wolfsvorkommen darauf zu achten, tierische Abfälle sowie größere Mengen von Speiseresten nicht im Freien liegen zulassen beziehungsweise zu lagern. Dies gilt besonders dann, wenn das Grundstück z.B. sehr nah am Wald liegt und keine geschlossene Abgrenzung zum Wald durch einen Zaun gegeben ist.

Aktuelle Verbreitung in Sachsen
Die Daten für das Monitoringjahr* 2015/2016 werden aktuell noch zusammenfassend ausgewertet. Der abschließende Stand zur Verbreitung von Wölfen in Sachsen für das Monitoringjahr 2015/16 wird deshalb erst im Sommer bzw. Frühherbst bekannt sein.
Im letzten Monitoringjahr 2014/2015* wurden in Sachsen zehn Wolfsrudel und ein territorialer Wolf (Hohwald) nachgewiesen. Im Laufe der letzten Monate konnten zwei neue Rudel bestätigt werden. Es handelt sich dabei um das Gohrischheide- und das Königshainer Berge Rudel. Damit gibt es nach aktuellem Kenntnisstand in Sachsen zwölf Wolfsrudel. Ob die territoriale Fähe im Hohwald-Territorium inzwischen einen Partner gefunden hat, ist noch nicht abschließend geklärt.
Zehn der derzeit bestätigten Wolfsterritorien liegen ganz im Freistaat Sachsen. Drei Territorien sind grenzübergreifend: zwei zu Brandenburg und ein weiteres zur Tschechischen Republik. Darüber hinaus haben drei Wolfsterritorien (Annaburger Heide, Ruszow und Zschorno) einen kleinen Teil ihres Gebiets auf sächsischer Seite. Da der größere Teil der Territorien in anderen Ländern liegt werden sie in den jeweiligen Nachbarländern mitgezählt.
In den Landkreisen Görlitz und Bautzen südlich der A4 gibt es weitere einzelne Nachweise und bestätigte Hinweise auf Wölfe. Dies betrifft die Bereiche Cunewalde, Löbau, Kottmar, Bernsdorf a.d. Eigen und Zittau. Im Rahmen des Monitorings wird hier weiterhin versucht den Status zu klären.

*Im Rahmen des Wolfsmonitorings werden die erhobenen Daten jährlich basierend auf dem Monitoringjahr, nicht anlehnend an das Kalenderjahr, zusammenfassend ausgewertet. Das Monitoringjahr läuft jeweils vom 01. Mai eines Jahres bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres. Der Zeitabschnitt umfasst ein biologisches „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres.

Quelle: Pressemitteilung Kontaktbüro "Wolfsregion Lausitz"

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