Beutegreifer, der Umgang im Jagdrecht

Zugestopfter Dachsbau - Foto © Uwe Martens

05.07.2016 - Seit dem Jahr 2000, nach ca. 150 Jahren, ziehen in Deutschland die ersten Wölfe ihre Junge auf, und schon werden Rufe laut  Wölfe ins Jagdrecht aufzunehmen  und den Schutzstatus zu lockern. Nach diesen Forderungen sollen die Wölfe nicht mehr nach FFH Richtlinien Anhang 4 (besonderen Rechtsschutz der EU), sondern Anhang 5 (Geschützte Tiere für deren Entnahme aus der Natur besondere Regelungen getroffen werden können) gelistet werden. Solche Forderungen zu stellen ist unverständlich da unsere Population noch stark gefährdet ist und Deutschland  nur zum kleinsten Teil durch Wölfe besiedelt ist.
Biologisch gesehen macht auch später die Jagd auf Wölfe keinen Sinn, da sich Wölfe durch ihr Revierverhalten und  Beutedichte selbst in der Anzahl beschränken.
Forschungen ergeben auch dass der Abschuss einzelner Wölfe aus einem Rudel nicht dazu führt dass die Nutztiere in irgendeiner Form sicherer sind. Es hat sich sogar gezeigt das, wenn durch Abschüsse eine Rudelstruktur zerstört ist, die Nutztierrisse zunehmen.
Die Forderung den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und dass mit Wölfen so umgegangen werden soll wie mit anderen Beutegreifern muss erst einmal dazu führen über den jetzigen Umgang mit den Beutegreifern, die im Jagdrecht gelistet sind, nachzudenken und Widersprüche aufzuklären:

- Artenschutz: Hintergrund: Geschützte Beutegreifer wie Iltisse und Baummarder, Wiesel, können im Rahmen von Managementmaßnahmen genutzt werden. Siehe FFH-Richtlinie Anhang 5 und bei Wiesel Berner Konventionen.
Ist es ausreichend, dass nach Anhang 5 gelistete Tiere einfach im Streckenbericht als erlegt  auftauchen, ohne dass die Populationsentwicklung erfasst wird?  Zum Management gehört ein Monitoring das  bedeutet eine systematische Überwachung einer Population. Die Geschlechts- und Altersbestimmung sowie die genetische Untersuchung sind im Monitoring Standard.
Geschützte Tiere, die im Jagdrecht verankert sind, bedeuten eine Verantwortung der Jägerschaft. Soll ein Management einem wissenschaftlichen Anspruch gerecht werden, müssen die Daten vom Monitoring in einer Qualität geliefert werden, die eine Jagd rechtfertigt und einen wissenschaftlichen Gewinn darstellen.

- Tierschutz: Hintergrund: Ohne vernünftigen Grund darf Tieren in Deutschland kein Leid angetan werden.
Tiere, die im Jagdrecht auftauchen, sollten nicht automatisch gejagt werden dürfen, wenn kein vernünftiger Grund vorliegt. Ein Beispiel hierfür ist die Fuchs- oder Dachsjagd. Auch bei Beutegreifern, die nicht in ihrem Bestand gefährdet sind, kann eine Jagdzeit nicht als alleiniger Grund  ausreichen, um ein Tier zu töten und damit den Tierschutz zu ignorieren. Eine positive Auswirkung auf das Gleichgewicht in der Natur muss belegt werden.
Ein vernünftiger Grund ein Tier zu töten kann vorliegen wenn z.B. Bodenbrüter auf einer Insel keinen Abwehrmechanismus gegen neu zugezogene Beutegreifer entwickelt haben.
Auch die Frage, ob Trophäenjagd mit dem Tierschutz vereinbar ist, muss politisch und ethisch geklärt werden.

- “Schutzjagd“ auf Hunde und Katzen: Hintergrund: In fast allen Bundesländern ist der Abschuss von Hunden, die Wild jagen oder deren Witterung nachgehen, erlaubt. Katzen können erschossen werden, wenn sie mehr als 300 Meter vom nächsten Haus aufgefunden werden.
Bei Katzen ist es zielführend, wenn Tierschutzvereine bei der Forderung nach Kastrationspflicht für freilaufende Katzen unterstützt werden.
Bei freilaufenden, möglicherweise wildernden Hunden, sollte das Gewaltmonopol bei der Behörde liegen, da in der heutigen Zeit Haustiere wie Familienmitglieder gesehen werden.
Um Verwechslungen zwischen Hund und Wolf sowie Katze und Wildkatze zu vermeiden, ist die „Schutzjagd“ nicht mehr zu verantworten. Hierzu gibt es auch ein Gerichtsurteil (Az 21a Ds 444 Js 8652/09).  Der Jäger konnte belegen, dass es kein Vorsatz noch Fahrlässigkeit war, als er versehentlich am 06. Juni 2009 bei Tucheim im Jerichower Land/Sachsen-Anhalt einen Wolf erschoss, den er für einen Hund gehalten hatte.

Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.

Uwe Martens, Stellvertretender Vorsitzender
uwe.martens@freundeskreis-wolf.de

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