Wolfsnachweise im Kreis Herzogtum Lauenburg und im Kreis Schleswig-Flensburg

31.08.2016 - Am 12. August 2016 wurden Mitarbeiter des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements durch einen Jagdausübungsberechtigten aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg über eine mögliche Wolfsbeobachtung informiert. Von seiner Jagdkanzel aus hatte der Jäger beobachtet, dass – wie er annahm – ein Wolf vergeblich versuchte, ein Reh zu erbeuten und kurz danach verschwand. Leider gelang es nicht, die Beobachtung durch ein Foto oder ein Video zu dokumentieren, wie bei einer wenige Woche zurückliegenden Beobachtung im Kreis Pinneberg. Das ganze ereignete sich in der Nähe A 20 bei Groß Sarau.
Der herbeigerufene Wolfsbetreuer untersuchte am gleichen Tag den Ort und fand Spuren, die aufgrund ihrer Größe und der anhand dieser Spuren dokumentierten Fortbewegungsweise tatsächlich auf einen Wolf hinwiesen. Das Tier hatte insbesondere eine für Wölfe typische Fortbewegungsart, den geschnürten Trab gezeigt, bei dem die Tritte fast perlschnurartig in einer Linie liegen und die Hinterpfoten jeweils in die Abdrücke der Vorderpfoten gesetzt werden. Diese energiesparende Gangart ist bei Wölfen besonders häufig. Die Schrittlänge überschreitet im geschnürten Trab beim adulten Wolf 110 cm. Da auch viele Hunde schnüren können, muss eine fragliche Spur möglichst weit ausgegangen werden, um entsprechende Abgrenzungen vornehmen zu können.
Die Dokumentationen der Sichtbeobachtung und insbesondere der festgestellten Spuren wurden von Herrn Dr. N. Stier von der Technischen Universität Dresden, dem für die Klärung entsprechender Fragen zuständigen Fachmann in Schleswig-Holstein, begutachtet und als Wolfsbeobachtung der Kategorie C 2 (bestätigter Hinweis) eingestuft.
Am 15. August 2016 wurde dann durch einen Schafhalter aus der Nähe von Satrup im Kreis Schleswig- Flensburg zwei tote sowie ein verletztes Schaf gemeldet. Die Tiere wiesen Verletzungen auf, die den Verdacht weckten, dass ein großer Beutegreifer für die Verletzungen der Tiere verantwortlich sein könnte – in Frage kamen in diesem Fall ein Hund beziehungsweise ein Wolf. Aufgrund der Schwere der Verletzungen starb letztendlich auch das zunächst verletzte Tier.
Der Vorfall wurde am gleichen Tag durch Wolfsbetreuer des Landes aufgenommen. Diese nahmen genetische Proben für weitergehende Untersuchungen zur Klärung des möglichen Verursachers. Die toten Tiere wurden anschließend zur veterinär-pathologischen Untersuchung in das Landeslabor nach Neumünster verbracht.
Die genetische Analyse des „Nationalen Referenzzentrums für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf“, dem Forschungsinstitut Senckenberg bei Frankfurt, ergab eindeutig, dass ein Wolf die Schafe angegriffen und getötet hat.
Bislang konnte lediglich die Artzugehörigkeit, nicht aber die Herkunft des Tieres ermittelt werden. Aufgrund des gelungenen genetischen Nachweises wurde der Vorfall durch Herrn Dr. N. Stier, dem für Schleswig-Holstein zuständigen Experten von der Technischen Universität Dresden, als Wolfsbeobachtung der Kategorie C 1 (eindeutiger Nachweis) eingestuft.
Der Tierhalter wurde durch Mitarbeiter des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements bereits über das Untersuchungsergebnis informiert
Aufgrund der Ausgleichsregelungen des Landes Schleswig-Holstein besteht für den betroffenen Schafhalter jetzt die Möglichkeit, den durch die Tierverluste entstandenen Schaden auf Antrag finanziell ausgeglichen zu bekommen.
Es handelt sich damit um die 30. bzw. 31. Beobachtung eines freilebenden Wolfes in Schleswig-Holstein seit dem ersten Wiederauftreten der Art in Schleswig-Holstein im Jahr 2007.

Quelle: Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein 

Die Karte der Wolfsnachweise/-Hinweise Schleswig-Holstein wurde entsprechend aktualisiert (Stand: 29. August 2016).

Karte als PDF: PDF-Download

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