Offener Brief des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V. zur „Dresdner Resolution“ der CDU/CSU

Polemik statt Lösungen?

Kürzlich verfassten die umweltpolitischen Sprecher der Fraktionen von CDU/CSU eine „Dresdner Resolution“ zum Thema Wolf.
Diese haltlose Resolution erweckt den Eindruck, dass die Verantwortlichen den BFN-Skript, Leben mit Wölfen Reinhardt/Kluth, mit den Empfehlungen für das Wolfsmanagement nur überflogen bzw. nicht gelesen haben.
Bei aufmerksamen Durchlesen hätten sie festgestellt, dass in diesem Schriftstück ein anzunehmender, jährlicher Zuwachs von ca. 30% der Wolfspopulation erwartet wird.
Die Annahme, dass auch weitere Aussagen nicht zutreffend sind, wie z.B. zur Habitatwahl, Beutespektrum und Herdenschutzmaßnahmen etc. werden schlichtweg nicht erklärt.
Der lösungsorientierte Fraktionist hätte das genannte Skript inkl. der Empfehlungen durchgelesen und gelernt, dass für eine anpassungsfähige Tierart und Generalisten wie den Wolf keine Habitatanalyse zielführend wäre.
In allen Bundesländern mit Wolfsvorkommen ist das Reh immer noch die Hauptbeuteart gefolgt von Rot- oder Damwild. Nichts Anderes wurde bisher gesagt!

In der Resolution wird weitergehend behauptet, die Rückkehr der Wölfe erschwere die Weidetierhaltung und regelrechtes Wettrüsten um den Herdenschutz wäre zu vernehmen. Natürlich ist der Aufwand für den Herdenschutz in vielen Fällen für die Gebiete, in denen Wolfspräsenz dauerhaft gegenwärtig ist, gestiegen. Wettrüsten findet jedoch auf anderen Ebenen statt, nicht aber beim Herdenschutz.
Empfehlungen von zu ergreifenden Maßnahmen für Wölfe, die den Mindestschutz überwinden, sind seit deren Rückkehr bekannt. In letzter Konsequenz, sollte ein Wolf trotz aller empfohlenen Maßnahmen nicht vom Töten der Nutztiere ablassen, ermöglichen die verschiedenen Managementpläne die Entnahme/Tötung dieses konkreten Wolfes.
Auch diese sinnwidrige Resolution kann nicht davon ablenken, dass eine generelle Bejagung des Wolfes Individuen davon abhalten soll, Herdenschutzmaßnahmen zu überwinden, sich jeglicher wissenschaftlicher Kenntnisse und logischen Zusammenhängen entzieht.
Ebenfalls unhaltbar ist die Theorie, die Weidetierhaltung wäre sicherer bei Lockerung des Schutzstatus des Wolfs, um einzelne Wölfe töten zu können. Im Gegenteil: Eine Studie aus den USA ergab, dass in Gebieten mit Entnahmen einzelner Wölfe eine Vermehrung von Nutztierrissen erwirkte. Auch Hinweise aus Deutschland unterstreichen dieses Ergebnis der Studie.
Beispiel: Das Rudel bei Cuxhaven scheint vermehrt Rinder zu attackieren, seit die Altwölfin illegal getötet worden ist. Ähnliches Verhalten ist in Bautzen zu beobachten: Häufigere Nutztierrisse nach wiederholten illegalen Tötungen von Wölfen.

Interessant erscheint die geschriebene Position zu Wolf und Wildbeständen. Vor nicht allzu langer Zeit wurde noch von einem „dramatischen“ Einbruch der Wildbestände in den Gebieten mit standorttreuen Wölfen gesprochen. Märchen von Wölfen, die die scheinbar plötzlich entstandenen , Großrudel bzw. Rotten aus dem Wald auf die Felder treiben sollten uns aufgetischt werden.
Wiederum gleichzeitig meldet der Deutsche Jagdverband im August 2016 Rekordzahlen für das Jagdjahr 2015/16 bei den Abschusszahlen in Sachsen: SACHSEN! Das Bundesland mit den meisten Wölfen!
Die FFH Richtlinien sehen die Entnahme aus der Natur von auffälligen Wölfen, die dem Menschen gefährlich werden könnten, längst vor. Im Fall von MT6 ist dies bereits durch Abschuss geschehen.
Des weiteren können ebenso Wölfe, die gelernt haben einen angemessenen Schutz von Nutztieren immer wieder zu überwinden, entnommen werden. Hierzu ist eine Herabstufung innerhalb der FFH Richtlinie in den Anhang IV nicht nötig.
Die Überführung des Wolfs ins Jagdrecht erschwert genau diesen Punkt: Die kurzfristige Entnahme eines konkreten Wolfes aufgrund doppelter Zuständigkeiten.
Die Jägerschaft ist bereits im Monitoring eingebunden. Die Wolfsbeauftragten, Wolfsbetreuer oder Wolfsberater entstammen zum größten Teil aus der Jägerschaft, ohne dass der Wolf im Jagdrecht aufgenommen wurde.
Die Mitteleuropäische Flachlandpopulation umfasst die Deutschen und Westpolnischen Wölfe, die wiederum nachweislich von der Baltischen Population abstammen. Falsch ist anzunehmen, die Mitteleuropäischen und die Baltischen Wölfe würden eine zusammenhängende Population bilden.
Die Forschungen, u.a. von dem anerkannten Deutschen Referenzlabor, das Senckenberg Institut Gelnhausen, besagen ganz klar das Gegenteil: Es sind zwei verschiedene Populationen die sich genetisch abgrenzen. Der gelegentliche Austausch – das Überlaufen zur anderen Population - dient der gegenseitigen genetischen Auffrischung.

Diese abwegige Resolution zielt darauf ab, Naturschützer, Weidetierhalter, Jäger und die Bevölkerung gegeneinander auszuspielen. Eine zielorientierte Zusammenarbeit in der Politik mit allen soeben erwähnten Beteiligten ist ebenso wünschenswert und zweckmäßig wie auch das Hinzuziehen von Fachleuten und Wissenschaftlern aus diesen Bereichen.

Ein Appell an die umweltpolitischen Sprecher ist: Nehmen Sie sich dem Thema Agrarsubventionen der EU an. Hier werden die Bedürfnisse der Weidetierhalter, die ihre Tiere artgerecht im Freien halten nicht berücksichtigt und systematisch ruiniert.
Nach Angaben der Schafzuchtverbände kommt ein Schäfer - ohne das Einpreisen des Herdenschutzes - auf einen Stundenlohn von etwa einem halben Mindestlohn.


HIER IST DRINGENDER HANDLUNGSBEDARF IHRERSEITS ERFORDERLICH!

Außerdem effektiv hilfreich ist zum Beispiel die von ihnen erwähnte bundesweite Beratungsstelle von Weidetierhaltern und Weiterentwicklung im Herdenschutz.
Schlussendlich erbitten wir eindringlich zukünftige Resolutionen gründlich zu recherchieren und der Polemik und dem Populismus fern zu bleiben und sich auf die, gerade auch von ihnen immer wieder geforderte, sachliche und fachlich kompetente Ebene zu begeben.

Hochachtungsvoll
Uwe Martens

Stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V.
Ringstr. 10 

21409 Embsen
Telefon: 0151 / 152 135 22 

uwe.martens@freundeskreis-wolf.de

Offener Brief als PDF: PDF-Download

Die Dresdner Resolution der umweltpolitischen Sprecher der Fraktionen von CDU und CSU im Bund und den Ländern "Praxistaugliches Wolfsmanagement in den Ländern und im Bund ermöglichen" finden Sie hier: PDF-Download

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