Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. zum Thema Wolf im Wahlkampf

17.09.2017 - Der Wolf eignet sich nicht als Wahlkampfthema - weder im noch laufenden Bundestagswahlkampf noch in dem für die Landtagstagswahl in Niedersachen, denn es kommen zu leicht populistische Forderungen wie beispielsweise: 

den Wolf ins Jagdrecht zu überführen, um:

a-die Wolfsdichte fest zu legen und zu kontrollieren.

Auf die Idee kann nur kommen wer nicht anerkennt, dass Wölfe durch ihr Revierverhalten sich selbst eine Obergrenze setzen. Wölfe verteidigen ihr Revier gegen andere Wölfe und die Nachkommen müssen ihr Elternrevier mit etwa  20 Monaten verlassen. Die Reviergröße hängt von der Schalenwilddichte ab und ist in Deutschland etwa 250 qkm. So kann die Beute nachhaltig genutzt werden und es kann nie zu viele Wölfe in einem Revier geben.

b-die sehr dynamische Ausbreitung einzudämmen.

Die Zunahme an Wolfsrevieren in geeigneten Gegenden, die neu besiedelt werden,  beträgt etwa 30 %. Das ist auch in Deutschland der Fall. 30 % Zunahme pro Jahr bedeutet umgerechnet, dass nur jeder 10.Welpe später selber ein Rudel gründet. (Im Schnitt werden 6 Welpen im Jahr pro Rudel geboren).
Um eine dynamische Ausbreitung einzudämmen müssten viele Jungwölfe geschossen werden um ein neues Rudel zu verhindern, da ja niemand weiß wer von den Wölfen das Jugendalter überlebt. Dieser jagdliche Eingriff ist tierschutzrechtlich nicht vertretbar. Sollten eines Tages nicht mehr genug geeignete Gebiete für ein neues Wolfsrudel zur Verfügung stehen, ist der Stress bei den Wölfen höher, so dass die natürliche Sterberate steigt und noch weniger Wölfe das Erwachsenenalter erreichen.

c-den Wölfen durch Abschüsse beizubringen menschliche Strukturen zu meiden.

Widersprechende Beispiele für diese These gibt es unter Beutegreifern im Jagdrecht. Es sind Füchse und Waschbären.  Die Bejagung dieser Tiere hält Überlebende nicht davon ab menschliche Strukturen zu nutzen.  Es gibt bessere Methoden Wölfe zu vergrämen wie beispielsweise Stromschläge durch geeignete Zäunung, wenn ein Wolf Schafen zu nahe kommt.

d-Gebiete Wolfsfrei zu halten.

Gebiete Wolfsfrei zu halten ist nur durch eine Mauer möglich. Es ist für Wölfe durchaus normal in einer Nacht 50 km zurück zu legen. Das bedeutet dass jederzeit überall Wölfe auftauchen können und auf Herdenschutz nicht verzichtet werden kann. Schäfer und Landwirte die Ihre Nutztiere artgerecht halten,  stehen finanziell in Konkurrenz  zur Massentierhaltung und benötigen zum zusätzlichen Schutz noch mehr gesellschaftliche Unterstützung. Eine weitere Möglichkeit, die das Umweltministerium  Niedersachsen vorgeschlagen hat, wäre sich in der EU für eine andere Verteilung der Agrarsubventionen stark zu machen. So kann die Freilandhaltung von Nutztieren mehr gefördert werden. Das ist auch im Sinne der Verbraucher, die diese Haltung wünschen. Wölfe zum Abschuss freizugeben die sich an Nutztieren bedienen, auch wenn sie nicht ausreichend geschützt sind, ergibt keine Sicherheit.

Glücklicherweise lassen internationale und nationale Gesetze eine Jagd auf Wölfe in gefährdeten Populationen nicht zu.
Eine Frage die sich stellt, sollte der Wolf ins Jagdrecht kommen, ist das Vorgehen bei problematischen Wölfen. Problematische Wölfe sind in den Managementplänen der Bundesländer und dem BfN-Skript „Leben mit Wölfen“, beschrieben. Eine abgestimmte Handlungsweise ist durch das Jagdrecht nicht möglich. Ein Wolfsrevier von 250 qkm entspricht 250 Jagdrevieren von 100 Hektar. Wie soll da eine gezielte Vergrämungsaktion stattfinden, wenn jeweils die Erlaubnis der Revierpächter eingeholt werden muss? Sollten die Vergrämungsaktionen nicht fruchten, stellt sich die Frage wie es weiter geht. Wenn 250 Jäger zuständig sind einen bestimmten Wolf zu entnehmen, sprich zu schießen, ist es wahrscheinlich das Jäger falsche Wölfe erwischen. Das hätte dann auch rechtliche Folgen für die betroffenen Jäger. Bei dem Bewegungsradius der Wölfe eignet sich das Jagdrecht für ein Management überhaupt nicht. Hier muss über die Jagdreviergröße hinaus gehandelt werden können.

Das Monitoring, das bei geschützten Tieren nötig ist um den Erhaltungszustand zu beurteilen, ist dann nur durch die Jagdberechtigten möglich. Haare und Losung einzusammeln, um die DNA zu erhalten, wäre für alle anderen (Wolfsberater, Naturschützer, interessierte Naturfreunde) im rechtlichen Sinn Wilderei.

Für die Forderung den Wolf ins Jagdrecht zu überführen gibt es keine einleuchtende Begründung sondern viele Nachteile. 

Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.

Uwe Martens, Stellvertretender Vorsitzender
Mobil: 0151/15213522
uwe.martens@freundeskreis-wolf.de

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