Wolfhybride auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf: Fragen und Antworten

Die Aufnahme stammt aus der Nacht auf den 1. Oktober 2017 und gelang mittels Fotofalle am Nachtpferch einer Schafherde auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf. (Foto: Bundesforst)

18.10.2017 - Nach einer Rissserie an Schafen und Ziegen an und um den Truppenübungsplatz Ohrdruf und einer Intensivierung des Monitorings steht seit dem 10.10.2017 fest, dass die Thüringer Wölfin Nachwuchs hat. Es handelt sich um sogenannte Hybride, eine Mischung aus Wolf und Haushund.

Der bereits 2013 mit zahlreichen Umwelt-, Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden eng abgestimmte Wolfsmanagementplan enthält dazu die Vorgabe: „Zweifelsfrei nachgewiesene Hybriden sind der Population aus Gründen des Artenschutzes zu entnehmen. […] Grundsätzlich dürfen nur erfahrene Personen solche Entnahmen ausführen.“

1. Was folgt daraus?

Das Tier wird aus dem Naturraum, in dem es sich befindet, entnommen. Eine Entnahme von Wolfshybriden erfolgt zum Schutz der heimischen Tierwelt auf Grundlage von § 45 Abs. 7 Satz 1 Nr. 2  Bundesnaturschutzgesetz. Dafür wird das Tier entweder gefangen (Betäubung/Lebendfalle) und in einem Gehege untergebracht oder abgeschossen. Dafür muss eine artenschutzrechtliche Genehmigung vorliegen, denn sowohl Wolf als auch Wolfshybride sind rechtlich streng geschützt. Die Zuständigkeit für die Erteilung einer solchen Entnahmeerlaubnis ist in Thüringen auf die obere Naturschutzbehörde (TLVwA) übertragen worden. Die tierschutzrechtlichen Bestimmungen müssen ebenfalls eingehalten werden.

Im vorliegenden  Fall empfiehlt das Bundeskompetenzzentrum Wolf (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)) einen Abschuss der Wolfshybride. Das Einbringen von Haushund-Genen in die wildlebende Wolfspopulation verändert den genetischen Zustand der Population. Das schwächt die Überlebensfähigkeit der Tiere, da Hunde genetisch weit weniger gut an ein Leben in der freien Natur angepasst sind als Wölfe. Diese eingeschränkte Überlebensfähigkeit gilt ebenso für Wolfs-Hund-Mischlinge.

2. Wurden Alternativen dazu geprüft?

Schon im Vorfeld wurden bei der Erstellung des Managementplanes Szenarien geprüft und Erfahrungen aus Sachsen genutzt (s.unten). Ungestörtes Aufwachsen in Ohrdruf oder in einem Gehege und sind keine akzeptablen Alternativen in diesem Fall. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Wolfshybriden keine oder eine deutlich geringere Scheu vor dem Menschen haben, vor allem, wenn sie sich mit Hunden im Gelände bewegen. Es bestehen daher unabwägbare Risiken – sowohl für die Tiere als auch für den Menschen, die nicht eingegangen werden sollen. Andere Möglichkeiten, wie etwa eine ortsferne Aufzucht der Jungtiere durch Hundeexperten, werden noch geprüft.

Gehege

Die Umstellung auf eine räumlich begrenzte Gehegehaltung würde dazu führen, dass die Tiere erheblich leiden. Ein vergleichbarer Fall in Sachsen hat gezeigt, dass die Hybriden sich nicht mehr an die eingeschränkte Lebensweise in einem Gehege gewöhnen, die Tiere überlebten dort nicht lange. Sie verletzten sich bei ihren Ausbruchversuchen schwer und mussten letztendlich aus Tierschutzgründen eingeschläfert werden. Um ihnen dieses Leid zu ersparen, empfiehlt die DBBW die Tötung der Hybriden.

Kastration

Einzelberichte aus anderen Ländern lassen die Vermutung zu, dass derartige Hybriden aggressiver sein können. Dieses Risiko für die Menschen in den umliegenden Ortschaften wollen wir nicht eingehen. 

3. Hat es einen solchen Fall in Deutschland schon gegeben?

Ja. Im Jahr 2004 gab es in Sachsen einen vergleichbaren Fall – siehe Frage 2).

4. Was passiert nach der Entnahme mit der Ohrdrufer Wölfin?

Die derzeit geplante Entnahme bezieht sich allein auf die Wolfshybride. Darüber hinaus lässt sich die Wölfin in einem so großen Gebiet nicht zu 100 Prozent von Hunderüden abschirmen. Das Risiko kann jedoch reduziert werden, wenn insbesondere Hundehalter ihre Hunde nicht unbeaufsichtigt laufen lassen. Das Umweltministerium wird weiterhin bereits vor Beginn der Paarungszeit des Wolfes Mitte Dezember die Forstverwaltungen und Ordnungsbehörden darauf hinweisen, dass zu diesem Zeitpunkt dringender Handlungsbedarf besteht, solches Fehlverhalten von Hundehaltern zu verhindern.

5. Wie genau wird die Entnahme jetzt umgesetzt?

Hier geht Sorgfalt vor Schnelligkeit. Für Wölfe und deren Hybriden bis zur vierten Generation gilt das Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Für eine Entnahme braucht man eine artenschutzrechtliche Genehmigung. Die Zuständigkeit für die Erteilung einer solchen Entnahmeerlaubnis  ist auf die obere Naturschutzbehörde (Thüringer Landesverwaltungsamt/TLVwA) übertragen worden. Nur wenn die obere Naturschutzbehörde diese Genehmigung erteilt hat, kann die Entnahme  vorgenommen werden. Die tierschutz- und waffenrechtlichen Bestimmungen müssen ebenfalls eingehalten werden.  In den nächsten Tagen sollen die Gespräche mit den zuständigen Behörden zum Abschluss kommen.

Quelle: Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

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