Bericht - Veranstaltung: "Erfahrungsaustausch – Leben mit dem Wolf im Landkreis Lüneburg"

Rund 70 Interessierte hatten sich im Amelinghausener Schafstall versammelt, um über das Leben mit dem Tier im Landkreis Lüneburg zu diskutieren. - Foto: Landeszeitung

26.10.2017 - Im Schafstall bei Amelinghausen im Kreis Lüneburg hatten sich am vergangenen Samstag  rund 70 interessierte Bürger, Tierhalter, Landwirte und Jäger zu einem Erfahrungsaustausch getroffen. Eingeladen hatte die Wolfsgruppe Lüneburg. Die Wolfsgruppe Lüneburg ist ein Zusammenschluss von sechs Aktiven aus der Region, darunter auch einige Mitglieder des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V., die sich für den Schutz der Weidetiere  und den Schutz der Wölfe engagieren. Sie beraten Tierhalter, klären auf, informieren über effektiven Herdenschutz und vermitteln Hilfen  beim  Bau von wolfsabweisenden Schutzzäunen.

Als Experten waren Kreisveterinärin und Biologin Birgit Mennerich-Bunge aus dem Landkreis Lüchow Dannenberg und Schäferin Nicole Benning von der Schäferei Wümmeniederung im Kreis Rotenburg/Wümme und dem Projekt "Herdenschutz Niedersachsen – Leben mit dem Wolf" eingeladen. Ebenso  Wolfsberater Uwe Martens, der zur Wolfsgruppe Lüneburg gehört. 

Zur  Einstimmung in die anschließende  Diskussion hielt  Mennerich-Bunge einen Vortrag unter dem Titel "Muss der Wolf Respekt lernen?"  Geballte, sachliche Informationen zur Biologie der Wölfe, deren Lebensweise und warum sich Wölfe so ganz anders verhalten als viele Menschen von den Tieren erwarten. Kurzum: Wie Wölfe eigentlich ticken, was von den Tieren zu erwarten ist und was nicht. Sie griff  die Diskussion  um  mutmaßlich auffällige Wölfe auf, die zu Verunsicherung und Ablehnung in der Bevölkerung führen. Mennerich- Bunge hinterfragte den daraus resultierende Wunsch, Wölfe bejagen zu wollen, um die Wolfspopulation regulieren  zu können oder den Tieren die vermeintlich, abhanden gekommene Scheu wieder beizubringen. Sie fragte, ob die Ursachen  für Konflikte ausschließlich beim Wolf gesucht werden  müssten, oder ob nicht auch menschliches Verhalten verantwortlich sein könnte.

Und  DAS  interessierte das Publikum:  wie viele  Wölfe in der Region, im Land leben /  wie eine potentielle Vergrämung von Wölfen ablaufe / wie sich bei Wolfsbegegnungen zu verhalten sei, warum Weglaufen bei Wolfsbegegnungen kein guter Rat ist/ ob die vom Land angebotenen Hilfen für Präventionsmaßnahmen  von Tierhaltern in Anspruch genommen werden/ welche Hilfen es grundsätzlich gibt/  wie viele Herdenschutzhunde zum Bewachen einer Herde nötig sind/ wie  Rinderherden geschützt werden können/ welche Gefahren bei der Jagd  im Wolfsrevier für Hunde bestehen / warum Entschädigungen so lange dauern. Und last but not least: die Frage nach dem Nutzen der Wölfe.
Mennerich-Bunge stellte daraufhin die Gegenfrage: "Wohin hat uns die Frage von Nutzen und Nicht-Nutzen  für den Menschen gebracht. Sie sehen es täglich an den Klimaveränderungen, an den Flüchtlingsströmen...der Mensch denkt nur an seinen persönlichen Nutzen. Wir brauchen etwas mehr Respekt vor der Natur. Sie ist unsere Lebensgrundlage".

Klare Worte fand Schäferin Nicole Benning dazu. "Er ist da. Punkt" !
In der Fragerunde  trug Schäferin Benning  erheblich dazu bei, aus ihren Erfahrungen zum Thema Herdenschutz aufzuklären. Als eigentliche Betroffene gehört sie zu denjenigen, die real einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit durch die Rückkehr der Wölfe zu leisten hat. Sie kennt die Probleme der Tierhalter, erlebt aber auch oft genug, dass  immer noch viele Tierhalter sich weigern, in effektiven Herdenschutz zu investieren. Dafür hat Benning kein Verständnis, trotz der damit verbundenen Kosten.  In ihrer Schäferei belaufen sich die Mehrkosten im Jahr auf 20.000 Euro. Mehrkosten, die von niemandem  aufgefangen werden. Aber der Erfolg spricht für sich, sagt sie:  Keine Übergriffe durch Wölfe auf die Herden inmitten von Wolfsgebieten. Ihr Appell an die Tierhalter:  "Es geht darum Schäden erst gar nicht entstehen zu lassen".

Summa summarum haben die geladenen Experten -  Uwe Martens, Wolfsberater des Landkreises Lüneburg, Tierärztin Birgit Mennerich-Bunge und Schäferin Nicole Benning  mit ihren Fachkenntnissen und Erfahrungswerten dazu beigetragen , sachlich und ehrlich aufzuklären und zu informieren.  Auf Defizite bei Tierhaltern  aber auch im Wolfsmanagement hinzuweisen und  Lösungswege aufzuzeigen. Realistische  Lösungswege, keine populistischen. Für ein konfliktarmes  Miteinander von Mensch und Wolf.
Bemerkenswert war:  Auf die eingangs gestellte Frage, wer  schon einmal einem Wolf begegnet  sei, schnellten  zahlreich Arme  in die Höhe. Auf die Frage, wie groß die Angst dabei war – verhaltenes Schweigen, gepaart mit den Antworten:  Keine.

Ulrike Kressel

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