Neues zum Herdenschutz

Herdenschutz-Zaun - Foto © LUPUS

23.11.2017 - Die jetzt vom Bundesamt für den Naturschutz (BfN) empfohlenen Standards für Herdenschutzmaßnahmen für Schafe und Ziegen liegen über den bisherigen Mindestschutzstandards der Bundesländer mit Wolfsvorkommen und basieren auf einer breiten Wissensgrundlage aus nationalen und internationalen Erfahrungen. So werden nur elektrifizierte bodenabschließende Zäune empfohlen, die mindestens 120 Zentimeter hoch sind, da nur diese Zäune bei „ausforschenden“ Wölfen durch einen körperlichen Schmerz einen dauerhaften Abschreckungseffekt ausüben und weder übersprungen noch unterklettert werden können. Festzäune werden nicht empfohlen, da diese von Wölfen oft unterkrochen oder überklettert werden und daher nur mit einem sehr hohen Aufwand gegen Wolfsübergriffe zu sichern sind.
Bei größeren Herden wird den Nutztierhaltern empfohlen, wenn sie sich mit den speziellen Anforderungen der Hundehaltung auskennen bzw. Fachberatung zu Verfügung haben, mit mindestens zwei Herdenschutzhunden ihre Tiere zu sichern. Bei allen Herdenschutzmaßnahmen müssen regionale Unterschiede berücksichtigt werden. Auch muss klar sein, dass im Einzelfall auch ein nach den empfohlenen Standards implementierter Herdenschutz unter Umständen keine 100-prozentige Sicherheit der Weidetiere vor Wolfsübergriffen bieten kann.

Im Vergleich zu Schafen und Ziegen sind Rinder und Pferde recht wehrhaft, vor allem wenn sie in Herden gehalten werden. Dennoch gibt es belegte Risse von Rindern oder Pferden, wobei regionale Unterschiede zu beobachten sind. Da diese Fälle sehr selten bzw. regional vorkommen, ist hier eine individuelle Anpassung von Herdenschutzmaßnahmen erforderlich, etwa durch zeitweise Kopplung von Jungtieren.

Die Entnahme von Wölfen, die vermehrt Übergriffe auf Weidetiere begehen, ist nach geltendem Recht unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Daher empfiehlt das BfN generell zunächst den Herdenschutz vom Mindeststandard bis zum empfohlenen Schutz nachzurüsten, wenn Wölfe den Mindeststandard überwunden haben sollten (z.B. Nachrüstung eines Netzzaunes mit einer darüber gespannten Breitbandlitze). Erst, wenn Wölfe die empfohlenen Schutzmaßnahmen überwunden haben, kann eine Entnahme anhand § 45 Absatz 7 Bundesnaturschutzgesetz unter anderem „zur Abwehr erheblicher land-, forst-, fischerei-, wasser- oder sonstiger erheblicher wirtschaftlicher Schäden“ durch die zuständigen Behörden geprüft und in die Wege geleitet werden.

Quellen:

Bundesamt für Naturschutz - Pressehintergrund vom 22.11.2017 PDF-Download

Weidetierhaltung und Wolf - Herausforderung und Empfehlungen PDF-Download

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