Keine Gewöhnung/Bedrängung der Wölfe!

12.02.2018 - Wölfe können in unserer Umwelt nicht so weit zurückgezogen leben, ohne uns Menschen wahr zu nehmen. Ein Zusammenleben zwischen Wölfen und Menschen ist konfliktarm möglich. Das zeigen Erfahrungen aus vielen Ländern und auch bei uns in Deutschland seit fast 20 Jahren.
Bekannt aus Nationalparks ist allerdings, dass Wildtiere, die für Fototouristen angefüttert wurden, durchaus ihr Futter einfordern und Menschen gegenüber gefährlich werden können weil sie eine Erwartungshaltung erlernt haben.   

Neben unserem Straßenverkehr und illegalen Abschüssen sind somit auch egoistische Wolfsfotografen  eine Gefahr für die Wölfe. Der Fall Kurti oder MT6 ist vielen bekannt. Es wurde vermutet dass er und seine Jahrgangsgeschwister auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord als Welpen angefüttert wurden. Kurti, der nach dem  Erreichen der Pubertät, wieder den Kontakt zu Menschen gesucht hatte, wurde im Frühjahr 2015 auf behördliche Anweisung hin erschossen.
In Sachsen war 2017 der Wolf Pumpak zum Abschuss frei gegeben, weil er menschliche Strukturen in Erwartungshaltung aufsuchte. Wie sich später heraus stellte wurde der Wolf zuvor für Fotos angefüttert.

Einen weiteren Vorfall von gleicher Unvernunft gab es 2017 in Niedersachsen. Jemand aus den Niederlanden veröffentlichte einen Bericht über eine von ihm geleitete Gruppenreise ins Revier der Goldenstedter Wölfe. Auch diese Wölfe wurden mit Futter vor die Kamera gelockt. Darüber hinaus wurden Fotos gemacht wie die Wurfhöhlen durch Hineinkriechen untersucht wurden. Als wir von den Vorfällen erfuhren, mussten wir feststellen, dass die Behörden kaum etwas gegen dieses Verhalten der Leute unternehmen konnten, da der Gesetzgeber mit solch einem Nachstellen und Stören der Wölfe für Fotos scheinbar nicht gerechnet hatte.

Niedersachsen hat nun angekündigt ein Fütterungsverbot, wie es beispielsweise Schleswig-Holstein schon hat, für Wölfe zu beschließen. Der Begriff Nachstellen eines Tieres bezieht sich bisher rechtlich nur auf das Nachstellen mit dem Ziel das Tier zu erbeuten. Dass Tiere erheblich gestört werden, wenn sie in ihren Rückzugsgebieten aufgesucht werden, ist logisch und muss auch dringend rechtlich bewertet werden. Es muss möglich sein, dass beispielsweise Rendezvousplätze vor egoistischen Fotografen geschützt werden können.

Vom Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.  können wir nur darauf hin wirken, dass der Gesetzgeber den Schutz der Wölfe und anderer gefährdeter Tiere in Sachen Nachstellen verbessert.

Wir freuen uns über tolle Fotos, die von freilebenden Wölfen in unserer Umwelt geschossen werden. Wir appellieren aber auch an alle Wolfsfreunde nicht alle niedlichen Wolfsbilder zu bejubeln, wenn klar ist, dass die Wölfe für die Fotos in ihren Rückzugsgebieten erheblich gestört wurden. Das kritische Hinterfragen mancher  Bilder hilft mehr, als eine Petition zu starten, wenn die Behörde einen auffällig gewordenen Wolf unter Beobachtung stellen muss.
Nicht zu vergessen ist, dass die Sterblichkeitsrate von Wolfswelpen von Natur aus schon sehr hoch ist und die Störung in Rückzugsgebiete dazu beitragen kann, die Überlebenschance der Welpen weiter zu verkleinern.

Uwe Martens
2. Vorsitzender des Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.  
uwe.martens@freundeskreis-wolf.de 
Mobil: 0151 15213522

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