Demonstration der Schäfer für die neuerliche Einführung einer Weidetierprämie – ein Bericht

16.03.2018 - Der Bundesverband der Berufsschäfer e.V. hatte zur Demonstration "#SchäfereiRetten" am 13. März 2018 vor dem Bundeslandwirtschaftsministerum  (BMEL) aufgerufen. Dem Aufruf waren 200 Schäfer und Ziegenhalter gefolgt. Dies sind mehr als ein Viertel der Berufsschäfer. 989 Schäfer gibt es nur noch in Deutschland. 

Den Schäfern steht das Wasser bis zum Hals, es geht um das nackte Überleben für die Schäfer und Ziegenhalter. Wie von Frank Hanel (Brandenburg), Ortrun Humpert (NRW), Hermann Stadler (Bayern) und einige mehr, die von Knut Kuzcnik auf die Bühne gebeten wurden, bestätigt wurde. Ohne eine Muttertierprämie von 38,00€, die eingefordert wurde, geht es einfach nicht mehr.
Die Prämie wurde noch bis 2005 gezahlt und sicherte das Überleben. Dann schaffte die EU die Prämie ab. In 22 Ländern wird sie bis heute noch gezahlt, denn einzelne Staaten dürften sie nach EU-Vereinbarung weiterzahlen, Deutschland zahlt sie jedoch nicht.
6.4 Milliarden Euro stehen aus dem EU-Topf für die Landwirtschaft zur Verfügung. 40 Millionen würde die Mutterschafprämie kosten.  Ein Vertreter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. brachte es auf den Punkt. Gefördert wird lediglich die industrielle Landwirtschaft durch EU-Gelder.
Vom Fleisch- und Wollverkauf können die Schäfer schon lange nicht mehr leben. Seit 30 Jahren ist der Fleischpreis nicht mehr gestiegen, wie Frank Hanel berichtete. Hermann Stadler ein Schäfer der extra aus Bayern angereist war, nannte dies dann auch eine moderne Form der Sklaverei. Schäferei ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die nicht genug honoriert werden kann.
"Auf unseren extensiv genutzten Weideflächen der Schäfer und Ziegenhalter können Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und Käfer sowie Wildkräuter überleben. Auf unserem Land wird Trinkwasser generiert. Wir sorgen dafür, dass die Deiche stabil bleiben, dass keine Lawinen in den Bergen abgehen. Wir sind diejenigen, die Brandschutz machen um die Städte herum. Wir machen unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft, die wir aber leider niemandem in Rechnung stellen können." (Knut Kuzcnik)

Unterstützt wurde die Demonstration vom WWF, NABU, BUND, Freundeskreises freilebender Wölfe e.V. sowie der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL).
Solidarisch mit den Forderungen der Schäfer, zeigten nur die Grünen und Die Linke, vertreten durch Kirsten Tackmann, die schon lange die Weidetierprämie fordert. In Niedersachsen ist sie durch Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast, trotz Vorbereitung durch C. Meyer (Ehem. Minister Grüne)  nicht eingeführt worden.
Die Petition „Die letzten Schäfer sind in Not - #SchäferreiRetten“ hatten übrigens bis zum Zeitpunkt der Demonstration über 86.000 Menschen gezeichnet - das ist ebenfalls ein großer Solidaritätsbeweis.

Von Seiten des Bundeslandwirtschaftsministeriums und der Bundesregierung waren der Abteilungsleiter, Ministerialdirektor Neumann sowie zwei weitere Politiker der Bundesregierung auf dem Podium. Neumann fand zwar das die Schäferei ein toller und wichtiger Beruf wäre, aber auf ausdrückliche Nachfrage von Knut Kuzcnik, ob denn die Weidetierprämie endlich kommt, wollten die Vertreter der Bundesregierung und  des Ministeriums nichts versprechen.

Nur Thüringen hat als einziges Bundesland eine Muttertierprämie von 25,00 € beschlossen.

Bericht: Jochen Wenk

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