Jahreshauptversammlung 2008
Der Autor des Berichts zusammen mit Dipl. Biologin Gesa Kluth vom Wildbiologischen Büro LUPUS

Bericht: Albrecht W. Müller

Der Vorsitzende des Freundeskreis Wölfe in der Lausitz e.V., Uwe Tichelmann, hatte zur Jahreshaupt-versammlung 2008 geladen, und 26 Mitglieder waren am 20. September der Einladung in den Gasthof „Zum Hammer“ in Neustadt/Spree im Wolfsgebiet gefolgt.

Das Treffen fand nun schon zum fünften Mal statt, was man als kleines Jubiläum bezeichnen kann. Ebenso oft hatte der Autor dieser Zeilen die Gelegenheit, ein paar Worte darüber zu verlieren.

Wie stets, bildete am Samstag die Exkursion ins Wolfsgebiet den offiziellen Auftakt. Diplom-Biologe Sebastian Koerner hatte sich wiederum bereit erklärt, die Leitung zu übernehmen.

Es stellt sich heraus, dass einige Mitglieder zum ersten Mal dabei sind. So holt Sebastian in seiner Begrüßung im Wald etwas weiter aus und schildert auch die Anfänge der heutigen Wolfsbesiedlung in der Muskauer Heide. Nach ihrer Ausrottung vor etwa 100 Jahren hatten hier aus Polen eingewanderte Wölfe erstmals im Jahr 2000 Nachwuchs, nachdem sie 1998 von Bundesförstern entdeckt worden waren und die Wolfsforscherin Gesa Kluth dies damals an Hand der Spuren bestätigt hatte. Dies ist im faszinierenden NDR-Naturfilm „Wölfe! Zurück in Deutschland“ (NDR, April 2002) dokumentiert. Auf diese erfreuliche Entdeckung und spätere Ausbreitung können wir nun schon ein ganzes Jahrzehnt – ohne jegliche Gefährdung des Menschen durch die Wölfe – zurückblicken, müssen aber gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass  zwar die Wölfe, jedoch nicht alle Menschen im Kerngebiet lernfähig sind, sobald es um eigenen Profit durch erlegtes Wild geht. Es sei daran erinnert, dass freilebendes Wild gesetzlich keinen Eigentümer hat, also niemand ein Anrecht darauf ableiten kann.

Wir starten unsere Exkursion zwischen Speicherbecken Lohsa II und Bärwalder See. In etwa dieses Gebiet führte uns schon einmal eine Exkursion. Die ausgedehnten Sandflächen der Heidelandschaft bieten den idealen Untergrund, Spuren zahlreicher Tiere auch im Sommer erkennen und folgen zu können. Hier kreuzen sich deutlich die Fährten von Wildschwein, Reh, Hirsch, Fuchs, Hase und anderen mit jenen des Wolfes.

Sie alle haben in ihrer natürlichen Ausbreitung ihre Existenzberechtigung in der vernetzten Natur. Auf den Wolf bezogen, wird sie lediglich von einigen Jägern, die um ihre Strecke fürchten, in Frage gestellt. Es entsteht also ein Konkurrenzdenken an der Spitze der Nahrungskette, und dabei geht es ihnen nicht etwa um die Besorgnis um eine vorgeblich gefährdete Bevölkerung. Ihr allerdings versucht diese Gruppe die Angst vor dem bösen Wolf einzuflößen – das Rotkäppchensyndrom unserer Kindheit feiert zwar nicht „fröhliche“ Urständ, jedoch bewährte. Doch damit nicht genug. Zwecks Auflagensteigerung hat sich eine Boulevardzeitung aus geschäftlichem Kalkül Horrorszenarien verschrieben – aber eben in doppeltem Sinne „ver-schrieben“ –, über die Fachleute nur staunend den Kopf schütteln können.

Derlei Gedanken gehen dem Verfasser natürlich auch während der Exkursion durch den Sinn. Erstaunlich ist immer wieder, wie journalistische Sorgfaltspflicht so einfach – und hier wieder buchstäblich – „auf der Strecke“ bleiben kann. Andererseits muss man das Bestreben von Tageszeitungen aus der Region hervorheben, die sich um sachliche Berichterstattung fern der Sensationlust als Selbstzweck bemühen.

Während ich mir so meine Gedanken über Pressesinn und -unsinn mache, stapfen wir durch weitläufige Sandflächen, die von Kiefern, Birken und Heidekraut durchsetzt sind. Immer wieder macht uns Sebastian auf Spuren im Sand aufmerksam. Unter seiner Anleitung versuchen wir, die Urheber dieser Abdrücke zu ermitteln, was stets intensiv, aber auf heitere Art geschieht. Sebastian lässt uns didaktisch geschickt stets viel Spielraum und räumt erst am Schluss zumeist letzte Zweifel aus. Das kann jedoch nicht immer gelingen, da die Spuren, je nach Alter und doch unterschiedlichem Untergrund, auch mal weniger deutlich ausgebildet sind. Der Verfasser ist unterdessen damit beschäftigt, die Exkursion wieder als kleines filmisches Dokument aufzuzeichnen. Dies hat durchaus auch Nachteile, denn vor lauter filmischer Umsetzung kann dem Kameramann durchaus diese oder jene wesentliche Erklärung oder Spurendeutung entgehen.

Wiederum ist auch die allerjüngste Generation, Julia und Maja, mit von der Partie. Ihren freudigen Höhepunkt erreichen sie auch optisch, als wir den Kamm einer mindestens fünfzehn Meter hohen Binnendüne erreichen. Während wir Erwachsenen mit ausholenden Schritten abwärts stapfen, zeigt Sebastian den Kleinen, wie sie den steilen Sandabhang sicher hinunter rutschen können. Der furchtlose und nicht vom Rotkäppchensyndrom gebeutelte Nachwuchs schafft das bravourös. Mein Bericht wäre unvollständig ohne diese kleine Begebenheit.

Was wir beim Durchwandern der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft jedoch schon beinahe als selbstverständlich empfinden und worüber wir kaum noch nachdenken, soll kurz angedeutet werden. Wir bewegen uns hier durch eine in Deutschland besonders seltene Landschaftsform, die Binnendünen. Sie wurden am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren aufgeweht. Damals lag die Temperatur hier um etwa 10° C niedriger, so dass Baumwuchs fehlte und sich die tundrenartige Vegetation spärlicher ausbreitete. Heute herrschen Zwergsträucher wie Heidekraut vor, auch sind verschiedene Verbuschungsstadien zu erkennen. Kiefern und Birken herrschen vor. Die Form und Ausrichtung von Binnendünen hängt vor allem von der Windstärke und -richtung ab. Wanderdünen verlagern sich mit zunehmendem Baumbewuchs immer weniger, da der Sand vom durchdringenden Wurzelwerk festgehalten wird. Wir durchwandern mit die höchsten und ausgedehntesten Binnendünen im „größten Sandkasten Deutschlands“, wie es Bundesforstamtsleiter Graf von Plettenberg auf einer Exkursion von Wildbiologen einmal treffend formulierte. Stets erinnern mich diese Dünen an eine Wanderung im ausgedehntesten Gipsdünenfeld der Welt, den White Sands in New Mexico. Deren grell weiße Wanderdünen (trotz des Namens aus ausgewaschenem Gips, nicht Sand) verlagern sich bis zu zwölf Metern pro Jahr, ehe sie sich mit zunehmender Größe durch Pflanzenwuchs, beispielsweise riesenhafte Yuccas, stabilisieren.

In den ausgedehnten Sandflächen untersuchen wir immer wieder einzelne Fährten von Wild. Durch  Ausschlussverfahren grenzt Sebastian die Urheber ein. Manchmal kommen verblüffende Ergebnisse heraus. Sie zeigen deutlich, dass das Spurenlesen oft gar nicht so einfach – und eindeutig – ist, wie es der erste Augenschein vermuten lässt. Nicht ohne Grund veranstalten u. a. Wolfgang Peham (www.wildniswissen.de) und Sebastian Koerner Seminare für Fährtenlesen.

Nachdem wir einen größeren Bogen durch das Wolfsgebiet geschlagen haben – natürlich ohne einem der scheuen Tiere begegnet zu sein –, kehren wir in unser Tagungslokal „Zum Hammer“ in Neustadt/Spree zurück. Für den Nachmittag sind Fachvortrag und Hauptversammlung anberaumt.

Diplom-Biologin Ilka Reinhardt vom Wildbiologischen Büro LUPUS führt uns wieder ausführlich in Thema und aktuelle Situation ein. Die Fakten untermauert sie mit zahlreichen Bildern und aussagekräftigen Grafiken, deren vorurteilslose Kenntnisnahme man so manchem Wolfsgegner wünschen würde.

Auch die Problematik gegenläufiger Interessen von Naturschützern und einem kleinen Teil der Jägerschaft in Verbindung mit einem Boulevardblatt kommt zur Sprache. Im Gegensatz zur eher um Sachlichkeit bemühten Berichterstattung der heimischen Presse verfälscht das bluttriefende Blatt natürliche Vorgänge, wie sie seit Jahrtausenden in der Natur geschehen, sensationslüstern und ohne auch nur annähernde Wahrung  journalistischer Sorgfaltspflicht, geschweige denn Sachverstand. Zum perfiden Konzept gehört, irreführende Bilder mit hanebüchenen Bildlegenden zu unterlegen – eine Jahrzehnte lang erprobte Desinformation des Lesers. Es handelt sich hier wohl weniger um ein integeres Presse-Organ, als eher um ein Blatt, das gerne organischen Abfall verbreitet. Den Verfasser dieser Zeilen verblüfft immer auf's Neue, wie gutgläubige Menschen auf solch primitive Weise seine so leicht durchschaubaren Ziele, durch Horrormeldungen erzielte Auflagensteigerung, unkritisch hereinfallen können.

Wie wohltuend wirkt es also auf uns, Ilkas versachlichter Darstellung des möglichen Miteinanders von Mensch und Wolf zu folgen. Vor allem aber versteht sie es auch im diesjährigen Beamervortrag faszinierend, die aktuelle Situation, vor allem in der Lausitz mit seinen momentan etwa 40 Wölfen in fünf Rudeln, übersichtlich darzustellen. Ilkas so umfassender wie spannender Vortrag geht in eine anschließende Diskussion über, in der es auch um hier angesprochene Themen geht. Es wird deutlich, dass unser Engagement „auf der Wolfs-Skala nach oben offen“ ist.

Andere Länder, auch in Europa, zählen ein Vielfaches an Bären, Wölfen und Luchsen – und der Mensch hat sich dort mit diesen auch daseinsberechtigten Mitgeschöpfen weitgehend arrangiert. Von Angriffen gesunder Wölfe auf Menschen ist auch dort nichts bekannt. Offensichtlich ist die Panikmache dort am größten, wo der Wolf am seltensten vorkommt. Da genügt die Angst einiger Jäger vor Jagdkurrenz, um Teilen der Bevölkerung scheinheilig die einstigen Märchen vom bösen Wolf und einer Gefahr für den Menschen vorzugaukeln. Bringen wir es kurzgefasst auf einen Nenner: Der Zeitung geht es um oft zynisch erreichte Auflagensteigerung, den angesprochenen geringen Teilen der Jägerschaft um Ausschaltung lästiger Jagdkonkurrenz. Was ihnen gemeinsam ist: das wohlweisliche Verschweigen ihrer wahren Beweggründe.

Die – an sich schon überhebliche – Frage des Menschen lautet nicht: „Brauchen wir den Wolf?“, sondern: „Wie schützen wir am wirkungsvollsten die Haustiere des Menschen etwa vor Wolf, Bär, Luchs und Fuchs?“

Streifen möchte ich das höchst fragwürdige Phänomen, junge Eisbären in Zoos bis zur Massenhysterie hochzustilisieren und sie kurz darauf, nämlich sobald sie – naturbedingt – ausgewachsen sind, desinteressiert links liegen zu lassen. Gleichzeitig unterlassen wir viele mögliche Maßnahmen gegen den sich beschleunigenden Klimawandel. Wirkungsvollere Gegenmaßnahmen könnten die Verwandten unseres Zoo- “Kuscheltieres“ Eisbär in der Freiheit ihres natürlichen Lebensraumes vor dem – buchstäblichen – Untergang womöglich noch bewahren. Menschlicher Zwiespalt – einerseits verhätscheln wir medienhörig und naturfern einen kleinen Eisbären, andererseits wird der Wolf mittelalterlich verteufelt. Nötig wäre ein Gleichgewicht an Akzeptanz für die biologische Vielfalt oder Biodiversität, die wertfrei weder gut, noch böse ist ...

Man möge mir verzeihen, dass ich den JHV-Bericht stellenweise etwas weiter fasse. Erweiterungen sind eben Bestandteil meiner Berichte, die ich nicht als trockene Wiedergabe unserer Jahreshauptversammlung verstehe, sondern eher als Stimmungsbild rund um unser Wolfsgeschehen und Naturanliegen. Wenn man den immer drängender werdenden Schutz der Natur, der Umwelt vor dem Menschen ernst nimmt, dann kann mir die reine Aufzählung unserer Tagesaktivitäten in dieser Art subjektiven Berichts, wie ich ihn versuche, nicht genügen. Die objektiven Punkte der erledigten Vereinsgeschäfte sind im (internen) Versammlungsprotokoll nachzulesen, das Susanna Lopez Kostka so temperamentvoll engagiert beigetragen hat.

Nach schöpferischer Pause kommt es zur eigentlichen Jahreshauptversammlung, in der unter der bewährten Leitung unseres Vorsitzenden Uwe Tichelmann alle Punkte der Tagesordnung gewissenhaft abgearbeitet werden. Pressesprecherin Dr. Beatrix Stoepel und Claudia Kossack, Leiterin der AG Ost, sind leider verhindert. Für Letztere gibt Andreas Kern einen Kurzbericht über die Arbeit der örtlichen AG ab. Der stets rührige Jens Hennings von der AG Nord berichtet ausführlich – und wie immer humorvoll – über deren umfangreiche Aktivitäten. Schatzmeisterin Heidrun Krug weiß über die streng gehütete Kasse Positives zu berichten, was sich auch im Ergebnis der Kassenprüfer niederschlägt. Verschiedene Abstimmungen folgen.

Der wohl wichtigste Beschluss soll hier erwähnt werden. Der Freundeskreis Wölfe in der Lausitz e.V. folgt künftig der geographischen Ausbreitung seiner Klientel nach derzeit Westen und Norden. Er nennt sich folgerichtig künftig Freundeskreis freilebender Wölfe e.V., mit dem Zusatz „gegründet in der Lausitz 2004“, um unsere  Verbundenheit mit der Ausgangsbasis der einzigen heute reproduzierenden Wölfe in Deutschland zu dokumentieren. Auch deshalb treffen wir uns in der Oberlausitz.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass zwar vermehrt Wölfe in anderen Bundesländern auftauchen, jedoch seit dem Jahr 2000 mehrere Dutzend abwandernder Jungwölfe spurlos verschwanden. Es sei ebenfalls daran erinnert, dass wegen Abschuss der streng geschützten Tierart an zwei Jäger Strafbefehle ergingen. Ohne die Toleranz und konstruktive Mitarbeit der Jägerschaft, wie sie auch ganz überwiegend verbreitet ist, wird der heute wieder heimische Wolf keine Chance zum Überleben haben.

Nachdenklich stimmt die dokumentierte Aussage eines Schäfermeisters mit über 1.200 Schafen. Er betonte, dass er Hilfe zum Schutz seiner Tiere bisher nur von Wolfsbefürwortern, jedoch noch nie von Wolfsgegnern erhielt. Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf Gegner, denen es kaum um das Wohl von Mensch und Haustier, sondern eher um Eigeninteressen, bestehend aus kg und € Wild, geht. „Wir brauchen die Wölfe nicht!“ Die Natur braucht den Menschen aber auch nicht. Wenn wir mit der immer rasanteren Belastung und Zerstörung unserer Umwelt als Lebensgrundlage so nahezu ungebremst weitermachen, könnte die Erde bald ganz gut ohne den Homo sapiens auskommen. Was da über die Natur hereinbrechen wird, können wir uns wohl nicht einmal vage vorzustellen versuchen, wenn wir amtlichen Prognosen glauben, die Bevölkerung Afrikas werde sich bis 2050 etwa verdoppeln.

Der Jahreshauptversammlung folgte ein geselliger Abend. Zum Frühstück stieß noch Ulrich Wotschikowsky, Wildbiologe und Jäger, sowie Verfasser unserer Broschüre „Wölfe und Jäger in der Oberlausitz“ hinzu. Seine aufschlussreiche Dokumentation kann noch beim Verein www.lausitz-wolf.de bezogen werden.

„Der Wolf steht vor Zürich“, titelte kürzlich die Basler Zeitung. Zweimal, im 16. und 17. Jahrhundert, „standen die Türken vor Wien“ (und an der EM am 20.6.08, Türkei gegen Kroatien, standen sie vor dem Wiener Ernst-Happel-Stadion). Wie sich Zeiten und Zielgruppen doch ändern!

Der Einladung zur nächsten JHV am 19. September 2009 im Gasthof „Zum Hammer“ in Neustadt/Spree werden hoffentlich viele von uns folgen können. Denn garantiert ist: „Der Wolf steht vor Neustadt.“ Und das seit einem Jahrzehnt ohne auch nur annähernde Gefahr für die Bevölkerung. Vergleichsweise ist die Zahl der bundesweiten Jagdunfälle – auch mit tödlichem Ausgang für Beteiligte und Unbeteiligte – Jahr für Jahr beträchtlich.

Zu nachtschlafener Zeit läuft der Wolf auch gerne mal durch's Dorf, wie Hase, Fuchs, Igel und andere Tiere auch. Das bedeutet bekanntlich weder Sensation, noch Gefahr für den Menschen. Ich freue mich darauf, bei nächster Gelegenheit schussbereit (natürlich nur mit Kamera) wieder einsam durch „tiefen Tann und lichte Heide“ der abwechsungsreichen Oberlausitz zu pirschen. Um den menschenscheuen Isegrim dann doch nicht vor die Linse zu bekommen?

Das sollten für Wolfsgegner eigentlich geradezu paradiesische Zustände sein. Etwa im Gegensatz zum dicht besiedelten Nordwesten Kassels, wo in einer Studie 2001/02 etwa tausend Waschbären ermittelt wurden, in Kassel-Harleshausen fünfzig Tiere pro Quadratkilometer (siehe www.gwn.de, Gesellschaft für Wildbiologie und Naturschutz e.V.). Und im Stadtgebiet Zürich leben tausend Füchse. In diesem Vergleich lassen sich die Hunderte von Quadratkilometern der Lausitz mit ihren etwa 40 Wölfen (deren Nachwuchs mit etwa zwei Jahren abwandert) gar getrost als wolfsarmes Gebiet bezeichnen. Wer ist denn schon Isegrim je begegnet?

Sobald es dem Menschen bis auf Ausnahmen gelingen wird, seine Haustiere vor dem Wolf wirksam zu schützen, dürfte er in unserem Bewusstsein schwinden und nur noch als unspektakulärer Teil der Natur wahrgenommen werden, ähnlich dem Fuchs. Was ihn spektakulär als wahrlich auf der Weide „gefundenes Fressen“ in die Schlagzeilen bringt, ist der nach einem Jahrzehnt noch immer mangelnde Schutz unserer Haustiere, insbesondere bei privaten Haltern.

Schutz der Menschen vor dem Wolf ist also nicht das Thema, sondern allein der wirksame Schutz der Haustiere des Menschen. Der ist allerdings – neben staatlicher Hilfe für die Geschädigten – auch durch unsere Arbeit so ernst zu nehmen wie die versachlichte, sensationslose Aufklärung der Bevölkerung.