Fragen und Antworten

Gibt es Wölfe nur im Märchen?

Im Gegensatz zu anderen Märchengestalten, Fabelwesen und sonstigen Phantasiegebilden sind Wölfe tatsächlich existierende Lebewesen. Sie sind im biologischen Sinne Raubtiere und beanspruchen einen adäquaten Lebensraum, in dem sie jagen und Junge aufziehen können.
Durch Geschichten über den angeblich so bösen Wolf haben sich unspezifische Ängste ent­wickelt. Wenn man die oben gestellte Frage mit einem „ja“ beantwortet, lässt sich ein kind­liches Gemüt vielleicht kurzzeitig beruhigen. Ehrlicher und nicht weniger kindgerecht wäre es jedoch, diese Ängste durch eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Wolf überzeu­gend zu widerlegen und sie als ungerechtfertigt und unangemessen zu enttarnen. Die Tat­sache, dass es jetzt in Deutschland wieder Wölfe gibt, verlangt nach einer sachlichen Ausein­anderset­zung.­ Eine Darstellung dieses Tieres ohne stichhaltige Fakten dient weder seinen Befürwor­tern noch seinen Kritikern und ist wenig hilfreich bei der gemeinsamen Entwicklung eines Verständnisses für den Wolf und beim Management seiner Wiedereinwanderung.

Gibt es in Deutschland freilebende Wölfe?

Nachdem der „Tiger von Sabrodt“ im Jahr 1904 als der letzte Wolf Deutschlands nahe Hoy­ers­werda geschossen wurde, gab es immer wieder Hinweise, dass Wölfe aus Polen den Weg nach Deutschland gefunden hatten. Jedoch gelang es den Tieren nicht, sich dauerhaft anzu­siedeln. Seit 1998 leben nun wieder nachweislich Wölfe und ihre Nachkom­men in Nordost­sachsen. Ihr Lebensraum – grob umrissen -  ist ein 700 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen den Städten Spremberg, Weißwasser und Hoyerswerda.

Woher kommen die Wölfe, die in der Lausitz leben?

Die Wölfe in der Lausitz gelangen ohne menschliches Zutun von Polen nach Deutschland, es handelt sich um eine natürliche Wiedereinwanderung. Die Tatsache, dass Wölfe von Osten her nach Deutschland einwandern, legt den Schluss nahe, dass es insbesondere im westli­chen Polen eine Vielzahl zusammenhängender Wolfspopulationen gibt. Tatsächlich sind es jedoch besonders der Osten und Südosten des Landes, in denen viele Wölfe heimisch sind. Aus diesen Gebieten wandern die Wölfe innerhalb Polens ab und siedeln sich weiter westlich an. Von diesen Tieren stammen die nach Deutschland eingewanderten Wölfe ab.

Wer gehört zum Rudel?

Ein Wolfsrudel ist ein Familienverband. Es setzt sich zusammen aus beiden Elterntieren, aus den Welpen des jeweiligen Jahres und aus den Jährlingen – das sind die Welpen des vergan­genen Jahres. Die beiden Elterntiere sind die sog. Alphatiere des Rudels. Diesen übergeord­neten Rang haben sie, weil sie die Eltern aller anderen Rudelmitglieder sind, und als solche werden sie von allen Nachkommen respektiert. Ebenso werden die Welpen von den Eltern­tieren als die eigenen Nachkommen wahrgenommen und mit Zuwendung und Fürsorge be­dacht. Der Alpha-Status steht also fest und ergibt sich aus der Verwandtschaftsbeziehung. Er muss nicht – wie in einem hierarchischen System – erkämpft oder behauptet werden. Die Wortschöpfung „Omega-Wolf“ beschreibt Tiere, die vom Rudel ausge­grenzt, benachteiligt oder unterworfen werden. Dieses unnatürliche Verhalten wird aber nur unter Gehegebedin­gun­gen beobachtet, wo ein Ausweichen bei Auseinandersetzungen nicht möglich ist. Es kommt in der freien Natur nicht vor, da die unterdrückten Wölfe mit vom Rudel abwandern würden.

Warum heulen Wölfe?


Das Heulen ist eine akustische Mitteilungsform der Wölfe. Um miteinander kommunizieren zu können, ist nicht zwingend die unmittelbare Gegenwart eines anderen Wolfes nötig. Als ein weithin hörbares Signal erlaubt das Heulen eine Fernkommunikation zwischen Rudelmitgliedern. Diese Art des Informationsaustausches und der Kontaktaufnahme ist Voraussetzung für den Zusammenhalt und Erfolg eines Rudels. Das gemeinsame Heulen dient der Gruppenbindung.

Wie ist das harmonische Zusammenleben in einem Rudel organisiert?


Die Kommunikation innerhalb eines Rudels hat für die Wölfe einen hohen Informationsgehalt. Lautäußerungen, Kopf- und Schwanzhaltung, Mimik und Gestik sind Signale, die Stim­mungen ausdrücken und Verhaltensabsichten ankündigen. Diese Signale werden von allen Rudelmitgliedern verstanden. Die vielfältigen und nuancenreichen Kommunikations- und Verhaltensweisen tragen dazu bei, Auseinandersetzungen zu vermeiden und das Verhalten anderer Rudelmitglieder zu beeinflussen oder zu verändern. Artgenossen wird eine adäquate Reaktion auf die vom Gegenüber ausgesandten aussagekräftigen Signale ermöglicht. Der oftmals feindselig und aggressiv erscheinende Umgang miteinander verhindert ernsthafte Auseinandersetzungen.

Lebt der Mensch heute gefährlicher, seit es wieder Wölfe in Deutschland gibt?


Die Wahrscheinlichkeit, einen Wolf zu treffen, ist sehr gering. Sollte es dennoch zu einer solchen Begegnung kommen, wird sich ein Wolf überaus vorsichtig verhalten. Wenn er nicht provoziert wird, wird er im allgemeinen versuchen, dieser für ihn ebenso ungewohnten und potentiell gefährlichen Situation zu entgehen. Junge Wölfe oder an die Nähe des Menschen gewöhnte Tiere können zuweilen weniger Scheu zeigen. Eine Gefahr der Tollwutübertragung durch den Wolf besteht nicht, da die für Füchse ausgebrachten Impfungen auch vom Wolf aufgenommen werden und bei ihm wirksam sind. Wölfe ernähren sich hauptsächlich von Huftieren wie Rehen, Rothirschen und Wildschweinen, aber auch Hasen, Vögel und Klein­säugetiere werden gefressen. Der Mensch dagegen gehört nicht in das Beutespektrum. Die Begegnung mit einem wehrhaften Hund ist ungleich wahrscheinlicher und gefährlicher, da dieser – im Gegensatz zum Wildtier Wolf – die gewohnte Gegenwart des Menschen nicht fürchtet.

Welche Konsequenzen entstehen durch die Existenz von Wölfen in der Lausitz für die Nutztierhaltung?


Tatsächlich stellt das Nutzvieh des Menschen eine für den Wolf leicht zu erbeutende Nahrungsquelle dar und ist gefährdet, wenn vom Halter keine angemessenen Schutzmaß­nahmen getroffen werden. Nutztiere müssen daher vor einem Übergriff durch Wölfe geschützt werden. Das Halten von Herdenschutzhunden oder die Verwendung von speziellen Elektrozäunen sind wirkungsvolle Maßnahmen und bewahren Nutzviehherden nachweislich vor Wolfsschäden. Hierbei hilft das Prinzip der Konditionierung: Durch einen Lernprozess verbindet der Wolf das Nutzvieh mit dem Schmerzreiz, der z.B. bei Annäherung an eine Herde vom Elektrozaun ausgeht. Das Setzen von unangenehmen Reizen senkt die Wahrscheinlichkeit unerwünschten Verhaltens – das Nutzvieh wird für den Wolf unattraktiv.

Welche Entwicklung ist bezüglich der Wolfsdichte zu erwarten?


Die Nachkommen eines Wolfsrudels wandern mit Erreichen der Geschlechtsreife aus dem elterlichen Gebiet ab. Dies ist im Alter von zwei Jahren der Fall. Sie erschließen sich auf der Suche nach einem Partner ein eigenes Territorium, um ihrerseits Jungtiere aufzuziehen und ein eigenes Rudel zu gründen. Jedes Rudel beansprucht ein eigenes Revier. Daher ist die Wolfsdichte in einem Territorium stets gleichbleibend.

Wird in der Lausitz ein Management durch Wildbiologen und Sachverständige für die Wiedereinwanderung von Wölfen durchgeführt?


In Spreewitz gibt es das „Wildbiologische Büro LUPUS“ der Biologinnen Gesa Kluth und Ilka Reinhardt und in Rietschen das für Öffentlichkeitsarbeit zuständige „Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz“. Beide Institutionen befassen sich mit dem Management der Wölfe in der Lausitz. Gesa Kluth und Ilka Reinhardt sind wissenschaftlich tätig indem sie Wolfsspuren verfolgen, Losung analysieren und telemetrieren. (Die Telemetrie ermöglicht es, die Aktivitäten und den Aktionsradius einer besenderten Wölfin zu verfolgen.) Zudem wird in Vorträgen über die Wölfe und die dadurch entstandenen neuen Gegebenheiten informiert. Die Mitarbeiter des Kontaktbüros leisten in erster Linie Öffentlichkeitsarbeit. Sie nehmen Hinweise bezüglich Wolfsbeobachtungen aus der Bevölkerung auf, beantworten Fragen und gibt Auskunft über die aktuelle Situation (www.wolfsregion-lausitz.de).

Passt und gehört der Wolf (noch) in unsere Landschaft?


Die Wiedereinwanderung von Wölfen nach Deutschland bedeutet eine Bereicherung unserer Natur. Der Wolf ist ein sog. Top-Prädator. Das ist ein Raubtier, das am obersten Ende einer Nahrungskette steht und auf diese „top-down“, das heisst, „von oben nach unten“ gerichtet Einfluss nimmt. Dies bedeutet, dass Huftierbestände vom Wolf reguliert werden. Da hauptsächlich verletzte, geschwächte und unerfahrene Tiere gejagt werden, ist ein gesunder und starker Wildbestand die Folge. Wölfe nehmen daher im natürlichen Ökosystem eine wichtige Funktion ein.

Sind Wölfe ein jagdbares Wild?


Wölfe unterliegen nicht dem Jagdrecht. Sie stehen unter strengem Naturschutz und dürfen weder gejagt noch geschossen werden. Das Töten von Wölfen ist strafbar.

Wie kann ich mich für die Wölfe in Deutschland engagieren?


Im Frühjahr 2004 wurde der „Freundeskreis Wölfe in der Lausitz e.V.“ gegründet und einige Jahre später in "Freundeskreis freilebender Wölfe e.V." umbenannt, um der inzwischen erfolgten Verbreitung des Wolfs über Sachsen hinaus gerecht zu werden. Der Verein wird durch mehrere Arbeitsgruppen in verschiedenen Regionen vertreten (link), die vor Ort praktische Hilfe und Aufklärungsarbeit leisten. Der Verein und die Arbeitsgruppen heißen Interessenten herzlich willkommen! JM