Die Arbeit des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V.
Janine während ihres Vortrags

Manuskript: Janine Meißner

Im Januar 2004 wurde der Freundeskreis als „Freundeskreis Wölfe in der Lausitz e.V.“ gegründet. Die Idee zur Gründung eines Wolf-Fördervereins wuchs anlässlich des ersten Wolfsseminars vom 16. bis 19. Januar 2004, zu dem das Wildbiologische Büro LUPUS und Karsten Nitsch vom Projekt LUZICA nach Neustadt/Spree eingeladen hatten. Von der Möglichkeit „Auf Wolfsspuren in der Lausitz“ unterwegs zu sein, machten Wolfsinteressierte aus ganz Deutschland Gebrauch – die Gründungsmitglieder des Freundeskreises. Sie waren wenige Jahre, nachdem sich wieder Wölfe in Deutschland angesiedelt hatten, schon sensibilisiert für die Wiedereinwanderung des Wolfes und erwarteten eine Fortsetzung dieses Trends, den sie fortan unbedingt begleiten und unterstützen wollten.

Pfotenabdruck eines Wolfes

Seit Ende der 90er Jahre war der Wolf in Deutschland wieder ein Thema. Für das Jahr 2000 konnte die erste Reproduktion nachgewiesen werden. Die Wiedereinwanderung des Wolfes nach Deutschland und die Gründung des Freundeskreises hatten in der Lausitz ihren Ursprung – ein Umstand, dem mit dem Namen „Freundeskreis Wölfe in der Lausitz e.V.“ Rechnung getragen werden sollte. So beschränkte sich der Wolfsbestand 2004 auf das Muskauer Heide Rudel und die Neustädter Wölfin. In Deutschland lebten also zum Zeitpunkt der Vereinsgründung etwa zehn Wölfe. – Seither ist viel passiert. Noch immer gibt es das Kerngebiet des Wolfsvorkommens in der sächsischen Lausitz. Die Wölfe haben sich aber auch über die Lausitz hinaus verbreitet. Es gibt Wolfswelpen in Sachsen-Anhalt, ein Rudel in Brandenburg und Wolfshinweise aus verschiedenen Regionen Deutschlands.

Auch die Mitglieder des Freundeskreises entstammen dem gesamten Bundesgebiet. Darüber hinaus hat der Verein Mitglieder in der Schweiz und in den Niederlanden. Sie alle, verschiedene Berufs- und Altersgruppen, vereint das Interesse für Wölfe. Ihr Potential besteht darin, als „Botschafter“ zu agieren, welche die Menschen, an die sie die Botschaft richten, auch verstehen und sich mit deren Problemen und Gedanken befassen. Sie bringen so eine gewisse Glaubwürdigkeit mit und können ihre Mitmenschen für das Thema Wölfe in Deutschland sensibilisieren – und sie im Idealfall pro Wolf beeinflussen.

Aus den anfänglich zwanzig bis dreißig Seminarteilnehmern, die den Verein gründeten, ist mittlerweile ein Freundeskreis Wolf mit über 150 Mitgliedern geworden.

Angesichts dieser Entwicklung – der Ausbreitung des Wolfes über die Lausitz hinaus und der deutschlandweiten Aktivität von immer mehr Wolfsfreunden – ist auf der Jahreshauptversammlung 2008 entschieden worden, den Verein in „Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.“ umzubenennen.

Der Freundeskreis ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Er finanziert sich in erster Linie über die Mitgliedsbeiträge, ferner über Verkaufserlöse (Holzfiguren, Aufkleber, Postkarten), Spenden und Benefizveranstaltungen. Letztere wurden vom Verein zum einen selbst organisiert – wie im März 2006 eine Buchlesung von Peter Sürth und Konzerte mit Cornelia Samuelis in der Erlichthofsiedlung Rietschen. Zum anderen haben zwei Schülerinnen im Jahr 2005 in München zu Gunsten des Freundeskreises an einem Silvesterlauf teilgenommen. Jede Arbeit für den Verein ist ehrenamtlich, so dass jegliche Einnahmen für die satzungsgemäßen Aufgaben des Vereins eingesetzt werden.

Ziele und Aufgaben des Vereins

In Anlehnung an das Wolfsmanagement, welches sich auf die drei Säulen Monitoring, Öffentlichkeitsarbeit und Prävention bzw. Kompensation stützt, lassen sich die Vereinsziele und –aufgaben wie folgt formulieren:

1.) Unterstützung des Monitoring

2.) Öffentlichkeitsarbeit

3.) Prävention und aktive Hilfe

Unterstützung des Monitoring

Der Freundeskreis hat derzeit sechs ausgebildete Wolfsbetreuer, die eine gewisse Zuarbeit für das Wolfsmonitoring leisten können. Die Unterstützung des Monitoring von Seiten des Freundeskreises ist jedoch in erster Linie eine finanzielle Unterstützung. So werden Arbeitsmittel, wie beispielsweise Fotofallen, angeschafft und finanziert und dem Wildbiologischen Büro LUPUS für das Monitoring zur Verfügung gestellt. Ergebnisse des vom Wildbiologischen Büro LUPUS durchgeführten Monitoring und Informationen des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz werden mit Mitteln und Möglichkeiten des Freundeskreises einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Umsetzung der Öffentlichkeitsarbeit und der aktiven Hilfe

Während die finanzielle Unterstützung des Monitoring aus Mitgliedsbeiträgen und Vereinseinnahmen bestritten wird, verfügt der Freundeskreis über zwei aktive Arbeitsgruppen, die sich der Öffentlichkeitsarbeit und Prävention annehmen:

AG Ost
Die Arbeitsgruppe Ost leistet vorrangig tätige Hilfe bei Schäfern und Nutztierhaltern oder bei den Betreibern von Wildgehegen. Ihr Haupteinsatzgebiet liegt direkt in der Lausitz bzw. im Wolfsgebiet. Es besteht ein enger Kontakt zum Wildbiologischen Büro LUPUS und zum Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz, von wo aus der Kontakt zu betroffenen Schäfern, Nutztierhaltern oder Betreibern von Wildgehegen hergestellt wird.

AG Nord
Die Arbeitsgruppe Nord des Freundeskreises ist in Schleswig-Holstein bzw. im Raum Hamburg ansässig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Informationsvermittlung und bemüht sich um eine zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit.

Die aktiven Mitglieder des Freundeskreises stehen Betroffenen im Wolfsgebiet bei, indem sie die Bevölkerung vor Ort informieren bzw. aktive Hilfe anbieten. Die nicht betroffene Bevölkerung und Regionen außerhalb aktueller Wolfsvorkommen werden im Vorfeld über die Situation des Wolfes in Deutschland aufgeklärt und auf eine etwaige Wiederbesiedlung durch den Wolf vorbereitet.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit des Freundeskreises richtet sich an verschiedene Interessensgruppen bzw. an die allgemeine Öffentlichkeit in betroffenen oder nicht betroffenen Regionen. In Anlehnung an das jeweilige Zielpublikum, d.h. dessen Wissen über den Wolf und dessen Einstellung zum Wolf, werden Botschaften aus folgendem Spektrum vermittelt:

- Information über die aktuelle Bestandssituation des Wolfes in Deutschland
- Informationen zur Biologie des Wolfes (Aussehen, Verhalten, Hunde, Hybriden)
- Vorstellen von Präventionsmaßnahmen
- rechtliche Situation (Schutzstatus, Entschädigung)
- Organisation eines Wolfsrudels
- Ernährungsökologie des Wolfes in Deutschland

Zum Zwecke einer möglichst zielgruppenorientierten Kommunikation werden auf unterschiedliche Zielgruppen und deren Bedürfnisse abgestimmte Angebote gemacht:

- Informationsstände
- Vorträge
- Kindercamps
- Internetpräsenz

Den Freundeskreis verbinden konstruktive Kooperationen mit Wildparks in Niedersachsen (Wildpark Lüneburger Heide, Wildpark Schwarze Berge), Schleswig-Holstein (Wildpark Eekholt, Erlebnis Wald Trappenkamp) und Brandenburg (Wildpark Johannismühle). Gemeinsam werden regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Wolf ausgerichtet.

Der Freundeskreis ist der Initiator der Broschüre „Wölfe und Jäger in der Oberlausitz“ von Ulrich Wotschikowsky. Sie wurde vom Freundeskreis beim Autor in Auftrag gegeben und gemeinsam mit dem Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz finanziert.

Der Freundeskreis verfügt über eine Wolfsaustellung bestehend aus acht Postern, die sich verschiedenen Schwerpunkten widmen:

- Wölfe und Jagd
- Wölfe und Nutztiere
- Wolf und Mensch
- Wölfe in Schleswig-Holstein
- Wölfe in Niedersachsen
- Biologie des Wolfes
- Chronologie der Wiedereinwanderung
- Aktivitäten des Freundeskreises

Die Poster stehen für Veranstaltungen und Ausstellungen, die sich mit dem Thema Wolf befassen, zur Verfügung und können zu diesem Zwecke beim Freundeskreis angefordert werden.

Ein Wolfsstein im Süd-Harz

Die mit Wolfsdenkmalen, Wolfssteinen, Wolfssäulen und einer Wolfseiche bedachten „letzten“ Wölfe verschiedener Regionen wurden vom Freundeskreis zu einer Datenbank über historische Wolfsanlagen zusammengetragen. Die Zusammenstellung zählt derzeit etwa dreißig Einträge und ist auf der Homepage des Freundeskreises unter dem Link „Orte zur Wolfsgeschichte“ einsehbar. Die einzelnen Wolfsanlage sind in der Sammlung fotographisch und mit GPS-Koordinaten dokumentiert. Dabei wird über Inschriften, den Erhaltungszustand und den geschichtlichen Hintergrund informiert.

Nicht in jedem Bundesland war eine historische Wolfsanlage zu finden, die auf das einstige Vorkommen von Wölfe in der Region verwies – so auch in Schleswig-Holstein. Das sollte nicht so bleiben. Denn aus einer handschriftlichen Aufzeichnung ging ein Hinweis auf den Abschuss des letzten freilebenden Wolfes im Herbst 1820 bei Brokenlande (Gemeinde Großenaspe, Kreis Segeberg) hervor. So wurde der Entschluss gefasst, an dieser Stelle einen Wolfstein aufzustellen. Von Seiten des Freundeskreises initiiert und organisiert, wurde der Rohling, ein von einem Kiesgrubenbesitzer gestellter Findling, im Juli 2008 im Wildpark Eekholt von einem Steinmetzmeister bearbeitet und mit einem Wolfskopf und einem Pfotenabdruck und einer Inschrift versehen. Im Februar 2009 wurde der Wolfsstein zum Abschussort des Wolfes nach Brokenlande transportiert. Der Stein trägt die Inschrift „Im Herbst 1820 wurde hier der letzte Wolf Schleswig-Holsteins erschossen.“

Zum Aspekt der Öffentlichkeitsarbeit gehört auch, dass sich der Freundeskreis in die öffentliche Diskussion einbringt. In Zusammenarbeit mit anderen NGOs wurden in diesem Zusammenhang offene Briefe zu aktuell kontrovers diskutierten Themen formuliert bzw. es wurde auf illegale Wolfsabschüsse reagiert.

Ferner war der Freundeskreis an der Ausarbeitung des Managementplans für den Wolf in Sachsen beteiligt. Der Verein ist derzeit involviert in die Ausarbeitung eines Managementplans Wolf für Schleswig-Holstein und bringt sich in das Wildtierkorridorprojekt „Holsteiner Lebensraum Korridore“ in Schleswig-Holstein ein.

Prävention und aktive Hilfe

Durch seine aktive Hilfeleistung unterstützt der Freundeskreis das Wolfsmanagement bei der Reduzierung von Konflikten, die infolge der Wiedereinwanderung der Wolfes entstehen:

- Aufbau von Zäunen
- Reparatur vorhandener Zäune
- Untergrabungsschutz, Stromlitzen, Flatterband
- Freischneiden von Zäunen
- Nachtwachen

Zukünftigen Wolf-Nutztier-Konflikten wird somit vorgebeugt, was die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung fördert.

Für die Wildgehege in Stannewisch und Hähnichen in der Nähe von Rietschen, einen Hobbyschäfer in Bärwalde, das Rotwildgehege in Groß Düben, die Wildtierfarm in Uhyst und die Schäferei Neumann waren Freundeskreismitglieder in der Vergangenheit im Einsatz.

Rotwildgehege Groß Düben
Rotwildgehege Groß Düben

Im Rotwildgehege Groß Düben wurden im Januar 2007 zwei Stück Rotwild von Wölfen gerissen. Der um das Gehege angebrachte Maschendrahtzaun war an mehreren Stellen untergraben. Im Februar 2007 wurde der Schaden ersetzt. Die beiden Rotwildkühe, die der Betreiber als Entschädigung für den Wolfsriß erhielt, wurden von der „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V.“ finanziert. Den Transport der Tiere nach Groß Düben organisierte und realisierte der Freundeskreis. Im Mai 2007 folgte ein Arbeitseinsatz von Mitgliedern des Freundeskreises. Zusammen mit Andre´ Klingenberger wurde ein durch den Freistaat finanziertes Drahtgeflecht entlang des Zaunes flach auf dem Boden ausgelegt und mit Erdankern befestigt, um ein Untergraben des Zaunes zukünftig zu verhindern.

Wildtierfarm Uhyst

Von der Betreiberin der Wildtierfarm in Uhyst wurde im Oktober 2006 der Verlust mehrerer Stücke Dam- und Sikawild gemeldet. Der Zaun war an mehreren Stellen untergraben. Wölfe konnten als Verursacher nicht sicher nachgewiesen, jedoch auch nicht ausgeschlossen werden. Da sich die Wildtierfarm im Wolfsgebiet befindet, galt es in jedem Fall, den Zaun instandzusetzen. Der Zaun um das große und stark verbuschte Gelände ist mit Unterstützung von Freundeskreis-Mitgliedern zunächst freigeschnitten worden, um als vorsorgliche Schutzmaßnahme eine Stromlitze anzubringen. Die Stromführung wird nach wie vor regelmäßig von Freundeskreis-Mitgliedern überprüft und gewartet.

Schäferei Neumann
Schäferei Neumann

Im Frühjahr 2002 gab es an der Schafherde bei Mühlrose wiederholt Übergriffe durch Wölfe. In deren Folge war ein Schaden von 33 toten Schafen zu verzeichnen. Für die Schäferei Neumann gab es von der Vereinsgründung an über Jahre hinweg verschiedenste Arbeitseinsätze durch den Freundeskreis. Dem Schäfer wurde insbesondere dabei geholfen, seine Koppel mit einem Litzenzaun mit Flatterband zu versehen, innerhalb dessen die Tiere vom Schäfer selbst in Euronetzzäunen gekoppelt werden konnten. Freundeskreis-Mitglieder sorgten dafür, dass der Zaun regelmäßig freigeschnitten wurde. Sie führten nach wiederholten Wolfsbesuchen auch Nachtwachen durch, um zeitnah einen effektiven Schutz zu gewährleisten.

Fazit

Zur Zeit der ersten vagen Wolfshinweise, die sich Ende der 90er Jahre häuften, war nicht abzusehen, welchen Fortgang dieser Trend in Deutschland nehmen würde. Auch war nicht abzusehen, ob ein als Förderverein für das Wolfsmonitoring gedachter „Freundeskreis Wölfe in der Lausitz e.V.“ erfolgreich sein und Bestand haben würde. So wie die Wölfe Deutschland fortwährend wiederbesiedeln, hat sich auch der Freundeskreis inmitten anderer NGOs etabliert. So darf fünf Jahre nach der Vereinsgründung bilanziert werden, dass aus dem enthusiastischen Kreis aus Wolfsfreunden, der sich im Januar 2004 in Neustadt/Spree traf, ein im Rahmen des Wolfsmanagements konstruktiv arbeitender und deutschlandweit aktiver „Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.“ geworden ist.