Herdenschutz-Praxisseminar erneut ein voller Erfolg

Fotos und Bericht: Jens Matzen

14./15.10.2011 - Bereits zum zweiten Mal bot der Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. zusammen mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern ein Praxis-Seminar zum Thema Herdenschutz an. Es war als Fortsetzung des 2010 durchgeführten Seminars im mecklenburgischen Preeten gedacht, und den Schwerpunkt bildete wieder der Umgang mit Herdenschutzhunden. Für das Seminar, das finanziell vom WWF Deutschland  gefördert wurde, agierte der Freundeskreis wiederholt als Mittler zwischen Nutztierhaltern, Wolfssachverständigen und Behörden.

Ort der Veranstaltung war dieses Mal die Schäferei des Schäfermeisters Frank Neumann in der sächsischen Oberlausitz. Neumann arbeitet nunmehr seit sieben Jahren erfolgreich mit Herdenschutzhunden. Zahlreiche Schäfer aus ganz Norddeutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) machten von der Möglichkeit Gebrauch, von den Erfahrungen und dem Wissen des Schäfermeisters zu profitieren.

Kristin Zscheile (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Mecklenburg-Vorpommern) und Jens Matzen (Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.), moderierten die Veranstaltung. André Klingenberger von der Sachsenforst erläuterte zusätzlich die Präventionsmaßnahmen und Richtlinien des sächsischen Umweltministeriums zum Herdenschutz. Norman Stier (TU Dresden – Forstzoologie, AG Wildtierforschung, zuständig für das Wolfsmonotoring in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein) referierte über die aktuelle Situation freilebender Wölfe in Norddeutschland.

Ziel dieser Veranstaltung war es, interessierten Schäfern und Nutztierhaltern die Möglichkeiten des Herdenschutzes mittels Herdenschutzhunde näherzubringen. Sie konnten die Hunde direkt bei ihrer Arbeit beobachten.  Anders als in der Schweiz und Frankreich, wo die Haltung von Herdenschutzhunden eine lange Tradition hat, fehlt es in deutschland bundesweit an den nötigen Erfahrungen. Expertenwissen wie das von Schäfermeister Frank Neumann ist rar.

In Ermangelung eines bundeseinheitlichen Standards oder eines Herdenschutzhundezentrums als Anlauf- und Beratungsstelle sehen sich Schäfer und Nutztierhalter insbesondere in Norddeutschland bei der Auswahl geeigneter Hunderassen, bei der Anschaffung, der Ausbildung und Handhabung, bei der Zucht und in Förderungs- und Versicherungsfragen auf sich allein gestellt. Auf diesem Gebiet besteht noch weiterer Handlungsbedarf in den jeweiligen Bundesländern, aber auch bei den Schafzuchtverbänden.

Der Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. gilt inzwischen als kompetenter Ansprechpartner und Vermittler in Sachen Herdenschutz und wird sich auch weiterhin für ein Miteinander der Beteiligten engagieren.