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Wie individuell verschieden sich die Tiere verhalten, beweisen auch die 2009 geborenen Schwestern "Zora" und "Tina". Sie stammen aus dem Rudel bei Altengrabow in Sachsen-Anhalt und werden seit März 2010 im Rahmen eines gemeinschatlichen Telemetrie-Projektes des Landesumweltamtes, des Bundesforstbetriebes und des Wildbiologischen Büro LUPUS beobachtet. "Tina" hat sich bis heute nicht aus dem elterlichen Revier entfernt. "Zora" hingegen wanderte innerhalb weniger Tage knapp 200 Kilometer. Zwischen Altengrabow und ihrem jetzigen Aufenthaltsort bei Lüneburg wurde sie am 4. Mai 2011 bei Havelberg geortet, wonach sie kurz darauf die Elbe durchschwamm, am 6. Mai war sie bereits auf niedersächsischem Boden, am 7. Mai zwischen Dannenberg und Hitzacker. "Zoras" Sender gibt allerdings bereits seit einigen Monaten keine Signale mehr ab, über ihren derzeitigen Verbleib ist daher nichts bekannt. Zwar gibt es Hinweise (darunter sehr gute Fotos - link) von einer Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Munster unweit von Lüneburg, die aber allem Anschein nach nicht mit Zora identisch ist.

Die Auswertungen der Studien ergaben, dass Wölfe mehr als 70 Kilometer pro Tag zurücklegen können - ein Wert, der selbst Fachleute erstaunt. Ihre Wanderwege führen durch Flüsse und über Autobahnen, sie halten sich sowohl in dichten Wäldern als auch auf offenen Heideflächen auf und rasten zuweilen sogar in der Nähe dicht befahrener Straßen. Eine Wölfin, die ebenfalls besenderte Fähe des Nochtener Rudels, legte ihre Wurfhöhlen sogar nur 500 Meter von der vielbefahrenen Straße zwischen Boxberg und Weißwasser an - eine Entscheidung, die leider schon einige ihrer Nachkommen mit dem Leben bezahlt haben. Doch zeigt dieses Verhalten ebenso wie die nachgewiesenen Wanderrouten wieder einmal: Wölfe brauchen keine Wildnis.  Sie passen sich den jeweiligen Verhältnisssen sehr flexibel an und kommen auch gut in unserer Kulturlandschaft zurecht. Man müsse sich deshalb überall in Deutschland auf das Erscheinen des Wolfes einstellen, sagt deshalb auch die BfN-Präsidentin Professor Beate Jessel. "Auf der Grundlage von Managementplänen sollte ein möglichst konfliktfreies Miteinander von Mensch und Wölfen sichergestellt werden." BSt