Wolf im Jagdrecht - Stand der Dinge

Liegt Gefahr in der Luft? Foto: Koerner

30.07.2012 von Uwe Tichelmann, Vorsitzender

Nun ist es soweit: der Sächsische Landtag hat am 09. Mai 2012 das „Gesetz zur Neuregelung des Jagdrechts im Freistaat Sachsen“ beschlossen. In diesem Gesetz werden die jagdbaren Tierarten NICHT aufgeführt.

In dem mir vorliegenden Entwurf der „Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Neuregelung jagdrechtlicher Vorschriften“ steht unter § 3 „Weitere dem Jagdrecht unterliegende Tierarten“: Dem Jagdrecht unterliegen Marderhunde, Minke, Sumpfbiber, Waschbären, WÖLFE, Eichelhäher, Elstern, Nebelkrähen, Nilgänse und Rabenkrähen (die lateinischen Bezeichnungen habe ich weggelassen). Im anschließenden § 4 „Jagd- und Schonzeiten“ wird der Wolf NICHT aufgeführt. Auch nicht unter „ganzjähriger Schonzeit“.

Inwieweit dieser Entwurf tatsächlich als Verordnung übernommen wird, steht noch nicht fest. Immerhin hat das Umweltministerium den Abschuss freilaufender Hunde im neuen Gesetz verboten. Leider jedoch wurde der Gesetzestext im Vergleich zum Entwurf deutlich abgeschwächt - wie im Folgenden dargestellt:

Im Referentenentwurf zum neuen Jagdgesetz steht unter § 27:

Im Freistaat Sachsen dürfen wildernde Hunde grundsätzlich nicht getötet werden, denn diese Bundesregelung ist nicht mehr zeitgemäß. Es soll ausgeschlossen werden, dass Wölfe, die in Sachsen wieder heimisch sind, in Folge einer Verwechslung unabsichtlich getötet werden. Denn unter jagdlichen Umständen gibt es oft keine Möglichkeit, Hund und Wolf sicher zu unterscheiden. Dies belegen Abschüsse in der jüngsten Vergangenheit. Das Verbot dient auch dem Schutz von überjagenden und bei einer Nachsuche eingesetzten Jagdhunden sowie harnlosen Haushunden, die sich im Wald schlicht verlaufen haben und keine Bedrohung für das Wild darstellen.

Wildernde Hunde gibt es nur in wenigen Einzelfällen. Insoweit kann die Genehmigung zur Tötung des Tieres ausnahmsweise erteilt werden, wenn die Gefährdung des Wildes andauert und andere Maßnahmen, etwa der Fang des Tieres, nicht zum Erfolg geführt haben.

Der Entwurf kritisiert das Bundesjagdgesetz als veraltet und gibt zu, dass Jäger Wölfe und Hunde verwechseln. Dass diese Formulierungen in dieser Art keinen Bestand haben, war leider schon im voraus zu vermuten.

Im neuen Jagdgesetz steht unter § 27 Abs. 3 daher nur noch folgendes:

Wildernde Hunde dürfen nur mit vorheriger Genehmigung der Jagdbehörde getötet werden. Die Jagdbehörde darf die Genehmigung im Einzelfall nur erteilen, wenn der Jagdausübungsberechtigte nachweist, dass sich ein wildernder Hund nicht nur vorübergehend in einem Jagdbezirk aufhält und die Beunruhigung des Wildes nicht auf andere Weise verhindert werden kann.

Es wird also nicht mehr auf die Verwechslung mit Wölfen eingegangen. Es ist aber dennoch positiv zu bewerten, dass sich Jäger in Sachsen nicht mehr auf eine Verwechslung mit Wölfen während der Jagd herausreden können.

Da das Bundesjagdgesetz in der Tat veraltet ist und viele Bundesländer diesen Paragraphen (Abschuss von Hunden) immer noch im Jagdgesetz haben, tragen wir zur Zeit alle Informationen über derartige Vorfälle zusammen und bereiten eine Klage gegen diesen Paragraphen auf Bundesebene vor.

Wir werden Euch/Sie weiter informieren. 

Uwe Tichelmann
(Vorsitzender Freundeskreis freilebender Wölfe e.V.)

Hintergrundinformation': Der Freundeskreis freilebender Wölfe setzt sich seit langem engagiert dafür ein, dass der Wolf nicht wieder in das Jagdrecht aufgenommen werden soll, ein Plan, den der sächsische Umweltminister Frank Kupfer bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Juni 2008 zu verfolgen begann (siehe Chronologie). Der Freundeskreis initiierte daraufhin im Sommer 2010 eine Sammelpetiton. Der Vorsitzende Uwe Tichelmann vertrat den Verein auf dem dazu anberaumten Ortstermin im Mai in Rietschen ebenso wie wenig später vor dem Petitionsausschuss im Sächsischen Umweltministerium. Außerdem bewirkte der Freundeskreis im Sommer 2011 durch einen offenen Brief an Kupfer, dass das Rechtsgutachten zur Wiederaufnahme des Wolfs in das Jagdrecht nach nahezu zwei Jahren Geheimhaltung endlich veröffentlicht wurde (Presseerklärung und Gutachten: http://www.smul.sachsen.de/umwelt/download/PE_08_07_2011_09_45_18.pdf).