Schwedisches Gericht sagt Nein zu Wolfsjagd!

3.5.2013 – Stockholm: Im vergangenen Winter hatte die Schwedische Umweltbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) einen Teil der schwedischen Wolfspopulation zur Jagd frei gegeben. Wenige Tage nachdem die Jagd begonnen hatte, wurde sie auf Antrag von Naturschützern vorläufig gestoppt. Nun urteilte das Verwaltungsgericht in Stockholm abschließend über den Fall und erklärte die Wolfsjagd für unzulässig! Die EPA hatte beschlossen, dass bis zu 16 Wölfe erlegt werden sollten.

16 Wölfe wären fast 7 % der Population

Die Umweltbehörde wollte mit dem Abschuss der Tiere gegen die Inzucht in der sehr kleinen schwedischen Wolfspopulation vorgehen. Das Gericht bewertete die Abschussquote allerdings als viel zu hoch. 16 getötete Wölfe seien fast 7 Prozent der schwedischen Wolfspopulation und das sei auf keinen Fall mit der europaweit geltenden FFH-Richtlinie vereinbar. Zudem gäbe es andere Möglichkeiten, die Inzucht zu reduzieren. Zum einen könne die natürliche Abwanderung von Wölfen aus der russisch-finnischen Population gefördert werden oder es könnten Welpen aus Tierparks ausgewildert werden, um den Genpool aufzufrischen.

Schwedische Wolfspopulation stark von Inzucht betroffen

Junseles Heimweg. Grafik: Typoform

Die schwedische Wolfspopulation ist sehr isoliert von der benachbarten finnisch-russischen Population (s. Abb. oben links) und mittlerweile stark von Inzucht betroffen. Alle ca. 150 Wölfe, die 2007 in Schweden lebten, stammten von nur drei Vorfahren. Der so genannte Inzuchtkoeffizient lag deutlich über 0,25, das heißt, all diese Wölfe waren näher miteinander verwandt als leibliche Geschwister! Es gibt zwar immer wieder Zuwanderung aus Russland, der Wanderkorridor geht aber durch ein Gebiet, in dem traditionell Rentiere im Freiland gehalten werden und die Rentierzüchter dulden keine Wölfe in diesen Gebieten.

Versuche von Umsiedlung und Freisetzung von Gehegewelpen scheiterten

Die beiden vom Gericht vorgeschlagenen Methoden wurden in Schweden bereits mehrmals versucht, sind allerdings bislang ohne großen Erfolg geblieben. Erst kürzlich ist ein wiederholter Versuch gescheitert, eine Wölfin aus dem Rentiergebiet in den Süden des Landes umzusiedeln. Die Wölfin „Junsele“ lief schnurstracks wieder zurück in das Gebiet, in dem sie gefangen worden war. Nach 10 Tagen war sie wieder zuhause (s. Abb. rechts). Sie war bereits zum 3. Mal gefangen und in einem anderen Gebiet ausgesetzt worden.

Auch der Versuch freilebenden Wolfsfamilien genetisch „wertvollere“ Welpen aus Tiergehegen „unterzujubeln“ scheiterte, weil die Wölfinnen in freier Wildbahn ihre Welpen in diesem Jahr früher zur Welt brachten als die schwangeren Fähen im Gehege. Der Altersunterschied der Welpen darf maximal eine Woche betragen. Im vergangenen Jahr war ein solcher Versuch daran gescheitert, dass keine der trächtigen freilebenden Wölfinnen gefangen werden konnte. (SKn)

Deutsche Quellen:

Dörfer, K. (2011): Situation der Wölfe in Schweden Download

Schwedische Quellen:
Jaktjournalen 3.5.2013 Link
Lantbruk 3.5.3013 Link
Dagens Nyheter 2.5.2013 Link
naturvardsverket.se: Junseles Heimreise Link