Naturerlebnistag auf der Geltinger Birk

13.05.2015 - Am 10. Mai 2015 (Muttertag) war die AG Nord des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V. mit ihrem Infostand auf der Geltinger Birk. Eingeladen hatte uns die Ortsgruppe Gelting der Naturfreunde Deutschlands, um hier auf dieser Veranstaltung mal etwas über die freilebenden Wölfe Deutschlands zu berichten.

Auf ihrem Weg in den Norden ziehen einzelne Wölfe auch hier oben in Schleswig Holstein durch das Land und die Bevölkerung weiß wenig über das Leben und Verhalten der Wölfe. Die Geltinger Birk liegt ganz im Norden Schleswig Holsteins an der Flensburger Förde. Sie ist ein von der Ostsee abgerungenes Stück Land und ist jetzt ein besonders schönes Naturschutzgebiet. Aus den ehemaligen Äckern ist heute eine große halboffene Weidelandschaft entstanden, auf der sich jetzt Koniks (Wildpferde) zusammen mit Galloways und Highlands frei bewegen können. Unser Festgelände lag in unmittelbarer Nähe zum Leuchtturm Falshöft.

Leuchtturm Falshöft

Als wir am Sonnabend ankamen und uns unseren von der Integrierten Station Geltinger Birk zur Verfügung gestellten Pavillon ansahen, kam auch der Bürgermeister des Ortes Nieby dazu und bewunderte unseren Mut, hier etwas für die Wölfe zu machen. An dieser Veranstaltung nehmen auch der Hegering und einige Nutztierhalter teil und nicht alle sind gut auf den Wolf zu sprechen, sagte er mir. Wir sind das aber gewohnt, denn auf unseren vielen Infoständen haben wir häufiger mit solchen Besuchern zu tun und mich würde das nicht beunruhigen. Mir ist auch klar, dass nicht jeder die Wiederansiedlung der Wölfe gut finden kann, denn für einige Menschen bedeutet der Umgang mit diesen Tieren deutlich mehr Arbeit. Er empfahl mir jedenfalls gut zu Frühstücken, damit ich genügend Energie hätte, um diese ablehnende Haltung zu überstehen.
Ein anschließend ausgiebiger Spaziergang mit unserem Hund auf dem die Geltinger Birk umschließenden Deich sorgte für genügend Müdigkeit, um die Nacht in unserem Wohnmobil durchzuschlafen. Leichter Regen und heftiger Wind taten ein Übriges. Manchmal waren die Windböen so stark, dass ich glaubte die Pavillons würden am nächsten Morgen alle in Stücke zerfetzt sein.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen war es noch immer sehr windig, aber der Wetterbericht sagte für den Tag ein immer besser werdendes Wetter voraus.                                     
So kam es dann tatsächlich, denn als wir unseren Infostand eingerichtet hatten, beruhigte sich das Wetter und es wurde zusehends schöner. Die ersten Besucher trafen ein und es füllte sich langsam das Gelände.

Festplatz auf der Geltinger Birk

Viele Besucher umlagerten unseren Stand, sodass wir zeitweise mit vier Personen reichlich beschäftigt waren. Es war deutlich zu merken, dass hier noch viel Aufklärungsarbeit über den Wolf zu leisten war. Wie können Nutztiere, hauptsächlich Schafe, vor Wolfsübergriffen geschützt werden und wo ist mit Übergriffen zu rechnen, waren häufige Fragen. Dazu mussten wir immer wieder die Notwendigkeit eines Schutzzaunes erklären. Wir sagten auch, dass "Stolperdrähte" in ca. 30 bis 40 cm Höhe nur das Weglaufen der Schafe verhindern, aber gegen das Eindringen von Wölfen oder Hunden in die Herde, helfen sie nicht. Ganz unbegründet sind die Sorgen der Nutztierhalter nicht, denn hier helfen nur sorgfältig aufgebaute Schutzzäune, die zusätzlich noch mit einer hohen elektrischen Spannung von mind. 4000 V versorgt werden sollten. Auch auffällig sich im Wind bewegende Bänder, sorgen zusätzlich für eine optische Abschreckung. Wenn man die Wölfe hier wieder haben möchte, darf man die Nutztierhalter mit ihren Problemen nicht allein lassen und muss sie ernst nehmen, denn sie haben dadurch deutlich mehr Arbeit.

Infostand auf dem Naturerlebnistag

Kinder fragten uns, ob sie denn überhaupt noch in den Wald gehen können, wenn dort evtl. Wölfe sind. Auch hier war unsere Antwort: "Natürlich geht das noch, selbst wenn Wölfe evtl. dort sind. Wölfe ziehen sich frühzeitig zurück, wenn sie merken es kommen Menschen, aber sollte doch einmal ein Wolf seinen Rückzug verschlafen und ihr euch fürchtet, sprecht ihn laut an, damit er eine Chance bekommt sich zurückzuziehen. Niemals solltet ihr schnell weglaufen, denn das ermuntert den Wolf hinterher zu laufen."
Eine junge Frau, die in Rumänien geboren wurde und dort auch aufgewachsen ist, erzählte mir, dass es in ihrer Region damals einige menschliche Todesfälle gegeben habe und sie als Kinder Angst hatten ihr Dorf zu verlassen, denn es gab dort viele Wölfe und sogar Bären. Aber es waren nicht die Wölfe oder Bären, die für die Todesfälle verantwortlich waren, sondern es waren die großen kräftigen Herdenschutzhunde der Schäfer gewesen, die die näher kommenden Menschen angriffen, sagte sie. Die Schäfer dort setzen andere Hunderassen zum Schutz ihrer Herden ein, als es hier in Deutschland üblich ist. Die Schafe lebten dort frei im Gelände und die Herdenschutzhunde durften sich auch frei bewegen um ihre Arbeit zu tun. Heute wird es dort sicher auch anders gemacht.
Zu meiner Enttäuschung kam leider kein Jäger vom Hegering an unseren Stand, um seine Meinung kund zu tun. Allerdings schlichen doch einige im gewissen Abstand an unserem Infostand vorbei.
Für die Besucher dieser Veranstaltung wurde viel geboten. So konnten sie den Hegering mit einem Wagen voller präparierter Tiere besuchen, man konnte Informationen von den Naturfreunden Deutschlands bekommen, auch ein Waldkindergarten hatte für einige Mitmachaktionen gesorgt, Kinder durften sogar auf dafür ausgesuchte Koniks reiten und neben unserem Stand wurde auch Musik gemacht.

Konik

Als größte Aktion war mitten auf dem Platz ein mittelalterlicher Drechselstand mit drei per Fuß angetriebenen Drechselbänken aufgebaut. Auch hier durften die Besucher mal ihre Künste ausprobieren.

Mittelalterlicher Drechselstand

Da hier noch reichlich Aufklärung in Sachen Wolf erforderlich ist, habe ich angeboten, bei einer weiteren Veranstaltung dort wieder mit einem Infostand zu erscheinen. Gegen 17:00 Uhr endete die Veranstaltung und wir konnten unseren langen Heimweg antreten.

Text und Fotos: Jens Hennings