Erste genetische Nachweise für Wolf (Canis lupus) in Thüringen und für Wildkatze (Felis silvestris) im Raum Saale-Holzland-Jena (Thüringen); Nachweise zu Luchs (Lynx lynx) bei Gräfenthal (Thüringen)

Wölfin von Ohrdruf (Bild © S. Böttner, LAG Wolf NABU Thüringen)

Der letzte Wolf in Thüringen soll 1884 bei Greiz erlegt worden sein. Am 11. Mai 2014 gelangen bermerkenswerte Bildaufaufnahmen eines Wolfes bei Bittstädt, in der Nähe des dort unmittelbar angrenzenden Bundeswehr-Standortübungsplatzes "Gotha-Ohrdruf". Eine erste Spurennachsuche im Einzugsgebiet des Standortübungsplatzes erbrachte eine frische Losung, die Canis lupus zugeordnet werden konnte. Die genetische Untersuchung der Losung ergab, dass es sich bei dem Verursacher um ein weibliches Individuum handelt, welches bereits am 30.03.2014 südlich von Zwickau nachweislich wurde und ursprünglich aus dem sogenannten Spremberger Rudel in der Lausitz stammt. Die nunmehr als "Wölfin von Ohrdruf" bezeichnete Fähe ist seitdem über einen Zeitraum von einem Jahr wiederholt am Standort nachweisbar.

Aktuelle Erkenntnisse zu Wildkatzenvorkommen in Thüringen belegen Verbreitungsgebiete in den Wald- und Mittelgebirgslagen um das Thüringer Becken. Für die Region des östlich gelegenen mittleren Saalegebietes lagen bislang nur spärliche Hinweise vor. Mittels Lockstockmethode konnten hier nun erstmals in den Forstgebieten um Jena zweifelsfrei Wildkatzen genetisch nachgewiesen werden.

Nachweise für Luchsvorkommen in Südthüringen, an der Landesgrenze zu Bayern, wurden bereits mehrfach dokumentiert. Am 01.03.2015 gelang es einen Luchs mittels Wildtierkamerafalle bei Gräfenthal zu fotografieren. Weitere nächtliche Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Kamerafalle am selben Standort dokumentieren überdies, wie sich ein Luchs an einem dort installierten und mit Baldrian präparierten Wildkatzen-Lockstock gerieben hat. Sowohl die dort hinterlassenen Fellhaare, als auch eine in unmittelbarer Nähe aufgefundene Luchslosung wurden für eine genetische Untersuchung sichergestellt.

Dies ist die Zusammenfassung eines Artikels von Silvester Tamás, der in der Zeitschrift Säugetierkundliche Informationen Band 10, Heft 50, 2015, erschienen ist. Wir danken dem Autor für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

Den gesamten Artikel können Sie hier abrufen: PDF-Download

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