Die letzten Wölfe Schleswig-Holsteins

Bericht: Jens Hennings

Schon im Jahre 1653 hatte die Landesregierung Schleswig-Holsteins hohe Prämien für die Ausrottung der Wölfe ausgesetzt. Für jeden erlegten alten Wolf zahlte sie 6 Taler und für jeden Jungwolf 2 Taler. Da damit aber die Ausrottung nicht erreicht werden konnte, richteten die Behörden groß angelegte Treibjagden ein. Die Männer der entsprechenden Gegenden wurden amtlich verpflichtet an diesen Jagden teilzunehmen. Nach der Jagd wurde genau festgestellt, wer die Jagd versäumt hat, was ihm dann 16 Schillinge Strafgeld kostete.

1732 wurden in Dravitholz und Königsmoor bei Lügumkloster bei einer Treibjagd 11 „griese Hunde“ in Wolfsgruben gefangen und 1759 im Schleswigschen 9 Wölfe.

Wolfsgruben waren etwa 3 m breite Gruben, die mit Reisig abgedeckt wurden. Auf einem Pfahl, der sich mitten in der Grube befand, wurde ein Fleischbrocken zum Anlocken der Wölfe befestigt. Die so angelegten Gruben wurden mit einem Knüppelzaun umgeben, den der Wolf überspringen musste, um an den Brocken heranzukommen. Dabei stürzte er in die Grube und konnte am nächsten Morgen vom Grubenrand erschossen werden.

Den Wölfen gelang es zeitweilig, sich in stetig verringernder Zahl, in Holstein zu behaupten. Die Bruchwildnis in der Umgebung von Brokenlande sagte ihnen besonders zu. Als sich auch dort über längere Zeit die verhassten Wölfe nicht mehr zeigten glaubte man, dass sie in Schleswig-Holstein ausgerottet wären.

Im Herbst des Jahres 1820 hörte Hinrich Schümann, der Heger des Apothekerholzes, in Brokenlande von einem Tagelöhner, dass ein Schäfer am Vierkamp wieder einen Wolf gesehen hätte. Hinrich Schümann beredete diese Botschaft mit seinem jagdeifrigen Sohn und im ersten Morgengrau ging der junge Schümann  auf die Jagd nach dem Wolf. Als der Wolf sich aus dem Unterholz traute, krachte ein Schuss und der letzte Wolf Schleswig-Holsteins war tot.

Quelle: Handschriftliche Aufzeichnungen
            von Christian Kröger, Malente

 

Der Wolfsstein

Nun endlich knapp 200 Jahre später, wurde in Zusammenarbeit des „Freundeskreises freilebender Wölfe e.V.“ und dem Wildpark Eekholt, ein Wolfsstein hergestellt. Den ca. 3,5 Tonnen schweren Granitfindling hat die Firma Krebs, die in der Region Kiesabbau betreibt, gesponsert. Der Hamburger Steinmetzmeister Kay Birkefeld hat die Beschriftung des Steines übernommen und so wurde aus einem rohen Findling ein ansehnlicher Wolfsstein. Der eingemeißelte Wolfskopf wurde dem Kopf des im Logo des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V. vorhandenen Wolfes nachgebildet.

Unter dem eingemeißelten Wolfskopf trägt er die Inschrift:

„Im Herbst 1820 wurde hier der letzte Wolf Schleswig Holsteins erschossen“

Der fertige Wolfsstein wurde unter Beteiligung vieler offizieller Stellen am 02. Februar 2009  am vermutlichen Abschußort  des Wolfes am Vierkamp bei Brokenlande  aufgestellt und der Natur übergeben. An diesem Platz soll er nicht nur an den Abschuß des letzten frei lebenden Wolfes im Herbst 1820 erinnern, sondern es soll auch ein Zeichen für einen Neuanfang sein.

UTM – Koordinaten :   32 U   0560111 E
                                             5985124 N